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Geigenbogen dreht sich beim Spannen

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Steff Profilseite von Steff, 30.04.2012, 14:59:39
Geigenbogen dreht sich beim Spannen

Hallo,

vor ca. einem Jahr investierte ich viel Geld in einen neuen Geigenbogen von einem deutschen Geigenbauer. Nach einer gewissen Zeit fing der Bogen an, sich beim Spannen nach rechts zu drehen. Bevor ich mit dem Bogen ca. 1000 km zum Bogenmacher fahre, wollte ich gerne wissen, ob jemand dazu etwas sagen kann. Liegt es am Bogen? Sind die Haare nicht gleichmäßig eingespannt? Darf sich überhaupt ein Bogen beim Spannen  an der Spitze drehen?

Viele Grüße

Steff

code759 Profilseite von code759, 30.04.2012, 15:06:55

Das hört sich nicht sehr schön an. whatchutalkingabout_smile

Drehen soll er sich sicherlich nicht. Aber die 1000km sind doch per Telefon gut zu überbrücken. Wenn er den Bogen selbst gebaut hat, wird er wohl am besten Aussagen treffen können. Ich habe schon gehört, dass Haare eine leichte, seitliche Krümmung verursachen können, aber in der Regel sollte doch jeder Fachmann in der Lage sein, einen Bogen richti zu bespannen. Die Menge der verwendeten Haare ist da ein bisschen ein anderes Thema, wie ich leider schon feststellen musste.

Ansonsten gibt es in den meisten größeren Städten einen Bogenbauer, der sagen können sollte, ob sich die Fahrt zum Erbauer lohnt, bzw. ob sie nötig ist.

Steff Profilseite von Steff, 30.04.2012, 15:21:09

vielen Dank. Ja, der Bogen ist von unserem Geigenbauer in meiner Stadt. Er meint, dass die Drehung minimal sei, sogar eventuell gewollt oder eben durch unterschiedliche Haarspannung verursacht. Der Erbauer sagte, dass kein Bogen seine Werkstatt verlässt, der sich dreht. Daraus schließe ich, dass es sich um einen Mangel handelt, der behoben werden sollte. Um mehr zu sagen, möchte er den Bogen sehen. Wenn es sein muß, fahre ich da hin.

Gibt es bei einem Geigenbogen eine Art Garantie oder verlässt man sich darauf, dass die teuren Stücke leisten was sie beim Kauf versprechen? Wer ist dafür zuständig, wenn ein teurer Bogen nach einem Jahr so einen gravierenden Mangen aufzeigt?

Gruß

Steff

code759 Profilseite von code759, 30.04.2012, 15:27:31

Interessante Frage. Meiner ist gerade 2 Monate alt, bisher musste ich mir diesbezüglich zum Glück keine Gedanken machen.

Bei mir fallen Erbauer und Verkäufer zusammen, was es in gewisser Weise vielleicht leichter machen würde. Wenn der Erbauer meint, das solle so nicht sein, lohnt sich ein Besuch eventuell, was für Dich viel Geld ist, kann ich nicht einschätzen. Je nach Wert lohnt sich vielleicht auch ein Versand. Ist das eine Krümmung nach links, fällt sie meist nicht ganz so stark ins Gewicht, wie nach rechts.

Aranton Profilseite von Aranton, 30.04.2012, 15:32:08

Hast Du den Bogen direkt beim Hersteller gekauft oder bei einem Händler in Deiner Nähe?  Denn wenn Du ihn noch kein Jahr hast, müsste da eigentlich die gesetzliche Gewährleistung greifen. Diesen Anspruch hast Du dem Händler gegenüber, nicht direkt dem Hersteller. Du musst also dorthin gehen, wo Du den Bogen gekauft hast; auch bei Geigenbögen fallen Hersteller und Händler nicht immer zusammen. Wenn Du ihn wirklich tausend Kilometer von Deinem Wohnort entfernt gekauft hast, wäre es  - wie code 759 bereits vorgeschlagen hat - am Besten, mit dem Händler zu telefonieren und den Bogen zusammen mit einer schriftlichen Schilderung des Problems, einem Verweis das Telefonat mit Herr/Frau xy und einer Kopie der Rechnung per Post zu verschicken. Damit solltest Du deutlich günstiger weg kommen, als wenn Du den Bogen in eine Werkstatt bei Dir in der Nähe gibst.

In der Hoffnung, dass Du bald wieder ungetrübte Spielfreude hast,

Aranton

P.S.: Ups, da hast Du reagiert, während ich Dir geantwortet habe. Die Frage, wo Du den Bogen her hast, hat sich damit erübrigt, aber der Rest des Inhaltes trifft ja nach wie vor zu.

Gruß

Aranton

 

Geige Profilseite von Geige, 30.04.2012, 21:25:29


Was bedeutet eigentlich: der Bogen dreht sich an der Spitze?

Eine Drehbewegung kann doch eigentlich an der Stange nur dann entstehen, wenn der Kontakt Frosch- Stange nicht  optimal ist, oder ist ein Verziehen der Stange in Längsrichtung gemeint und keine Drehbewegung.

Wenn es sich nur um eine leichte Verbiegung entgegen der Spielrichtung handelt, so  muss dadurch nicht  automatisch die Spieleigenschaft eingeschränkt sein. Sowas hab ich schon bei teuren alten französischen Bögen von Profis gesehen. 

Die Spannung der Bogenhaare lassen sich beim einlegen in das obere Bogenkästchen durch leichtes verdrehen kontrollieren. Im gewissen Rahmen hat man hier die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.

Steff Profilseite von Steff, 01.05.2012, 10:59:40

Bogen-abgespannt.JPGBogen-gespannt-Spitze.JPGBogen-gespannt.JPG

auf dem ersten Bild sind die Haare abgespannt. Auf den beiden folgenden gespannt. Man sieht, dass der Bogen sich im gespannten Zustand nach rechts verdreht. Mein Geigenbauer führt das auf die Haare zurück, sieht aber keinen Handlungsbedarf. Ich wollte lediglich wissen, ob die Spieleigenschaften des Bogens durch diese Drehung beeinträchtigt sind, und wenn ja, hätte ich das Recht auf eine kostenlose Behebung des Fehlers?

Gruß

Steff

sofie Profilseite von sofie, 01.05.2012, 11:28:39

Mein "neuer" Bogen hat sich auch im ersten Jahr spielen verbogen. Ich habe ihn über den Geigenbauer am Ort gekauft. Er hat einen befreundeten Bogenbauer und immer ein paar neue Bögen von ihm bei sich in der Werkstatt.

Beziehen lasse ich meine Bögen woanders und der Bogenbauer meinte so eine Biegung nach einem Jahr ginge nicht, das solle ich reklamieren...

Der Geigenbauer hätte mir den Bogen anstandslos wieder gerade gebogen, meinte aber es könnten sich dadurch Feinheiten in den Spieleigenschaften ändern und ich solle es mir gut überlegen.

Ich habe mich dafür entschieden den Bogen so zu belassen und lasse die Krümmung immer ein wenig beim Neubeziehen ausgleichen.

Da mein Bogen für mich ein "Werkzeug" und keine Wertanlage ist, ist es mir egal.

Geige Profilseite von Geige, 02.05.2012, 16:09:07
An dem Foto lässt sich die Krümmung ja ganz gut erkennen.
Wenn der Erbauer bekannt ist, muss ja nicht gleich eine Reise dorthin gemacht werden.
Mit einer Mailanfrage an den Bogenbauer sollte mit dem Foto der Sachverhalt geklärt werden können.

Übrigens, mein L. Morizot Bogen, den ich meistens spiele ist bei genauer Betrachtung auch ganz leicht verzogen. Da er sich super spielen lässt ist mir das egal. Trotzdem, wenn es stört, lässt sich ein Bogen nachbiegen - wie Sofie schon beschrieben, kann das zu leichten Veränderungen in den Spieleigenschaften führen.
Bea Profilseite von Bea, 02.05.2012, 17:52:03

Ich habe irgendwo gelesen, dass das leichte seitliche Verziehen des Bogens sogar extra gemacht wird, um die Spieleigenschaften zu verbessern!!!!!

Steff Profilseite von Steff, 03.05.2012, 09:03:16

Vielen Dank für die Beiträge!

nach Absprache mit dem Bogenbauer schickt mein Geigenbauer den Bogen zur Behebung des Problems zum Erbauer.

 Wenn ich perfekt spielen könnte, wüsste ich, ob die Biegung positiv oder negativ mein Spiel beeinflusst. Leider ist meine Vorstellung von einem guten Bogen, dass er beim Spannen gerade bleibt. Deshalb hilft mir keine Erklärung, es könnte sogar gewollt sein oder es hat keinen negativen Einfluss. Schon beim Auspacken der Geige lenkt mich die Biegung ab und ich finde, das ist ein Grund genug, etwas dagegen zu unternehmen. Trotzdem, noch einmal vielen Dank für euere Hilfe!

Gruß

Steff

Geige Profilseite von Geige, 03.05.2012, 11:30:35
Das halte ich in diesem Fall auch für die richtige Entscheidung
DebianFan Profilseite von DebianFan, 03.05.2012, 13:34:22

Mich wundert, dass es bei so teuren Bögen überhaupt zu Verdrehungen kommen kann. Meines bisherigen Wissens nach gab es solche Effekte nur bei Chinaware.

Ich habe einen DÖRFLER Maestro Geigenbogen und als Reserve (von früher) einen ganz billigen DÖRFLER Brasil Primo Geigenbogen. Beide Bögen drehen sich beim Spannen nicht einmal um einen Hauch. Auch der 1/2 Geigenbogen meiner Tochter (ebenfalls von DÖRFLER) dreht sich beim Spannen keine Spur.

code759 Profilseite von code759, 03.05.2012, 13:56:32

Ich besitze auch so einen Dörfler Maestro, dieser hat eine seitliche Krümmung, wenn auch nicht sonderlich stark. Er wurde aber auch schon vom Bogenbauer an mich angepasst, ist allerdings schon länger her. Wirklich glücklich war ich mit diesem Dörfler nie. Jetzt liegt er im Kasten mit meiner alten Geige.

Mein neuer Holzbogen hat keine seitliche Krümmung, zumindest noch nicht. Mein Arcusbogen hat auch keine seitliche Krümmung.

Das Holz sich im laufe der Zeit noch ein wenig verändert ist doch nicht sonderlich verwunderlich, oder? Ich habe schon wunderbar gerade Billigbögen in der Hand gehabt. Spielen will ich so einen Bogen trotzdem nicht. Der Pfretzschner Wilhelmi der ersten Generation, den ich in der Hand hatte und der wirklich gut war, hatte auch eine leichte Krümmung. Gestört hat mich diese nicht, lediglich der Preis war mir zu hoch.

rudiratlos Profilseite von rudiratlos, 03.05.2012, 17:58:34

Generell ist ein Verziehen wie hier auf dem Foto dargestellt kein Qualitätsmangel,da auch superteure Bögen der namhaftesten alten französischen oder englischen Bogenbauer häufig Äste oder Drehwuchs aufweisen(ich habe noch nie einen Tourte Bogen gesehen,der nicht gleich mehrere Äste in seiner Fernambukstange hat).Gerade diese "Mängel"erhöhen die Stabilität einer Stange und ermöglichen eine sehr feine und schlanke Stangenausarbeitung.

Die abgebildete Stangenverformung ihres Bogens kann jeder Bogenbauer im Rahmen eines erneuerten Bogenbezuges durch Biegen wieder in die Stangenflucht bekommen.Das Bogenbiegen sollte  eher ein Bogenbauer vornehmen,da sie in dieser risikobehafteten Korrektur im Regelfall doch trainierter sind als Geigenbauer

Es gibt Bögen,wo die Stangenarbeit des Holzes erst nach sehr langer Zeit zum Stillstand kommt,bei vielen Bögen z.B.von J.Tubbs ist dieser Zustand auch nach 100 Jahren noch nicht erreicht.

Zusammenfassend:Bogen zum Bogenbauer,neuer Bezug und nachbiegen

Leutarius Profilseite von Leutarius, 03.05.2012, 20:15:21

rudiratlos, willst Du dich mal im Vorstellungs-Thread vorstellen?   Um Deinen Beitrag einordnen zu können, würde ich gerne ein bisschen mehr über Deinen fachlichen Hintergrund erfahren....   1

Leutarius Profilseite von Leutarius, 03.05.2012, 20:29:41

Die Biegung auf den Fotos empfinde ich nicht als dramatisch, zumal sie auf die "richtige" Seite weist.  Allerdings ist es schwierig, eine Biegung nach Bildern zu beurteilen, obwohl die Bilder hier sehr gut und auch aussagekräftig sind. Massgebend sind die Spieleigenschaften. 

Haben sich also die Spieleigenschaften verschlechtert, dann unbedingt zurück zum Hersteller. Wenn nicht, Biegung in den nächsten Monaten beobachten, mindestens aber bis zum nächsten Bezug. 

 

Steff Profilseite von Steff, 04.05.2012, 08:11:03

dass die Stange aus China kommt, möchte ich nun mal ausschließen. Es muss noch Vertreter in der Geigen- und Bogenbauzunft geben, denen man noch vertrauen kann. Diesen Bogenmacher schätze ich so ein.

Steff Profilseite von Steff, 13.05.2012, 18:32:49

ich habe meinen Bogen wieder. Er bleibt beim Spannen jetzt gerade. Wenn ich es richtig verstanden habe, war eine Korrektur am Frosch notwendig. Ich habe jetzt wieder Spaß am Spielen. Danke noch einmal für die Beiträge!

Steff

Neuester Beitrag Basskind Profilseite von Basskind, 14.05.2012, 00:09:18

Hallo!

Eigentlich ist das Thema ja abgehakt, aber vielleicht sollte man das beschriebene Phänomen besser als "Verwindung" denn als "Drehen" bezeichnen. Ich bitte die Klugs... zu entschuldigen, aber wenn schon exaktere Termini zur Verfügung stehen...

Grüße

Thomas

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