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Zugeordnete Kategorien: Instrumentenkunde

CelloMania Profilseite von CelloMania, 17.06.2024, 12:17:52
Vom Wert eines Instrumentes

Hallo,

 

Wenn man im Forum mitliest, meint man an der Börse der Kunstgegenstände gelandet zu sein, in der der Wert virtuell von der Provenienz, dem Hörensagen und dem Habenwollen bestimmt wird - weit weg vom Wert eines Gebrauchsgegenstandes.


Wenn ich ein Musikinstrument sehe, ob in der Vitrine oder in Natura, nützt mir dies sehr wenig. Erst wenn es erklingt oder noch besser: Wenn ich es erklingen lassen kann, eröffnet sich mir die Erkenntnis über den wahren Wert des Instrumentes oder wenn ich gut bin, kann ich die Potenziale, die Versprechungen des Instrumentes entdecken.


Diese decken sich aber meist nicht mit den marktorientierten Preisen. Ich benötige ein Instrument, das auf beste Spielbarkeit eingerichtet ist, den Spieler in seinem spielerischen Umgang unterstützt und klanglich zu überzeugen weiß. Meiner Unzulänglichkeit ist es geschuldet, wenn es nicht so klingt, wie es seine Fähigkeiten gestatten würden.


Zusammengefasst: Auch auf der billigsten Geige hören sich die Klänge eines Virtuosen weitaus besser an, als ... es der schnöde Marktwert je erfassen könnte.


Bleibt die Frage: Warum wird eigentlich nie nach dem musikalischen Wert eines Instrumentes gefragt?


CelloMania
 

Stadtstreicher Profilseite von Stadtstreicher, 21.06.2024, 12:29:26

Weil sich der musikalische Wert nicht in einem Forum erfragen lassen kann.

Dazu müsste man eine Tonsequenz einstellen und selbst dann wäre die Einschätzung nur verzerrt möglich wegen der Diskrepanz zwischen live und Tonbandaufnahme.

Allgemein finde ich es durchaus nachvollziehbar den Wert eines (seines) Instrumentes kennen zu wollen. Daran ist überhaupt nichts verwerflich. Ich spiele zum Beispiel auf einem Instrument, dessen Wert ich nicht genau kenne, aber es wurde als gut verarbeitet eingeschätzt, daher habe ich es restaurieren lassen und erkenne nun deutlich den klanglichen Unterschied zum davor genutzten Schülerinstrument. Aber bevor ich überhaupt wusste wie es klingt, habe ich mich anhand der Expertisen über dessen bauliche Herkunft, Verarbeitung, Alter etc. leiten lassen und es "haben wollen". Natürlich wird man als blutiger Anfänger keine besonders großen Unterschiede herausstreichen können zwischen einem teurem oder einfachen Instrument, doch schon allein die Motivation wird m. M. gesteigert wenn man weiß, dass dieses Instruemnt gut ist. Auch der Bogen spielt hier eine große Rolle und kann klanglich noch einiges herausholen wenn er besonders gut verarbeitet ist, das ist jedenfalls meine Erfahrung. Letzten Endes entscheidet jedoch der individuelle Geldbeutel oder das Glück an ein besonders schön klingendes Instrument zu gelangen.

Fidi Profilseite von Fidi, 03.07.2024, 11:48:42

Ja, man hat hier und teilweise in anderen Foren dsa Gefühl, es käme ausschließlich auf den Wert, den Preis des Instrumentes and und wer das teuerste Instrument besäße, dürfte sich am glücklichsten schätzen.

 

Das ist aber so ein Forenphänomen, das es auch in anderen Foren zu ganz anderen Themen gibt. Ich war lange in einem Fotoforum unterwegs, das ich "das Kamerakaufsuchtforum" nannte, weil es dort ständig darum ging, welche Kamera oder welche Ausrüstung man sich als nächstes kaufen könnte.

 

Man muss sich wirklich bewusst machen, dass der Wert der Geige ausschließlich nach Kriterien der Geigenbauer bemessen wird, aslo nach Handarbeit, Holzgüte usw. Der Klang ist dabei zweitrangig!!!

 

Nachdem ich sehr viel in solchen Foren gelesen hatte und immer wieder auf die Info stieß, dass eine Geige erst ab ca. 4000€ "gut" sei, war ich beim Geigenbauer und wollte eine neue Geige kaufen. Meine hatte 800€ gekostet, Markneukirchen, dafür wirst du im Maestronet quasi mit Steinen beworfen. Ist nichts Besonderes. Gibt es zigfach. Kann man nciht mit angeben. (Laut diesem Forum.) Für mich war das aber eine zufällig gefundene Traumgeige, die genau den Klang gehabt hatte, den ich mir gewünscht hätte.

 

Ich war dann also beim Geigenbauer, 4000€ hatte ich nicht, Maximalbudget war 2200€. Viele der Geigen, die ich ausprobierte, klangen für mich nach 300€ oder so. Ganz furchtbar. Die hätte ich nicht geschenkt haben mögen!

 

Am Ende blieben zwei Geigen übrig, die ich zum Testen mit nach Hause nehmen konnte - die beiden günstigsten für 1500€! Also, nach meinem eigenen Geschmack blieben aus Geigen für über 2200€ - einige waren angeblich "deutlich teurer" als 1500€ gewesen - genau die günstigsten übrig! Die beiden waren übrigens im Charakter deutlich unterschiedlich.

 

Na ja, jetzt spiele ich also diese beiden, die Markneukirchen und die neue, Mittenwald, Paesold, also deutlich jünger (die andere ist von 1895) - und merke qualitativ keinen Unterschied! Im Charakter, ja, aber ich kann nicht sagen, dass die Paesold deutlich "besser" wäre, nur anders! 

 

Natürlich ist das noch das "untere Preissegment" und natürlich gibt es Menschen, Orchesterspieler, Solisten, fortgeschrittene Hobbyspieler, Geigenlehrer, die deutlich teurere Instrumente brauchen und mit meinen ncihts anfangen könnten (schon rein von der Lautstärke her - meine sind, bewusst, eher leise, weil ich sonst Ohrenschmerzen bekomme).  Aber für den Laienspieler ist der Wert ja sehr subjektiv, der wünscht sich etwas Bestimmtes, das nicht zwingend mit teuren Geigen erlangt werden muss. Alle anderen Geigen, die ich da ausprobierte, hatten z.B. für mich viel zu schrille E-Saiten. 

 

Natürlich ist man erst mal ein bisschen enttäuscht, wenn man herausfindet, dass man ein Instrument spielt, mit dem man keinen Blumentopf gewinnen kann, nicht "angeben" kann, das niemanden beeindruckt, eher im Gegenteil. Das Wort "Schülerinstrument" oder "solides Schülerinstrument" klingt ja oft sehr enttäuschend - "zu mehr hat es nicht gereicht". Aber man ist ja nun mal als Laie Schüler und ein Instrument für 20.000€ würde einen nicht mal zwingend glücklich machen.

 

Ich hatte das große Glück, mit dem Geigenunterricht anzufangen, bevor Social Media so richtig los ging, bevor es Youtube gab und Geigenforen. Preise waren in meiner Musikschule nie Thema, Geigenbauer ("von wem ist deine Geige?") auch nicht, ich kam nie auf die Idee, dass ich mir auch eine bessere Geige hätte kaufen können. Heute ist das alles anders, es wird einem ständig vor die Nase gehalten, dass man eventuell etwas verpasst mit seinen "Fabrikinstrumenten" und "Billiggeigen". Und dann kommt der nagende Zeweifel, ob man nicht doch glücklicher wäre, wenn man deutlich mehr Geld in die Hand nehmen würde. Oder die Idee, wenn man eine Geige "findet" oder erbt, dass man vielleicht einen Goldschatz gehoben hat. 

 

Besser wäre, man würde das alles streichen und sich auf den Klang konzentrieren und glücklich sein mit dem Instrument, das man sich ausgeucht hat und leisten konnte. 

 

Ich persönlich habe meine alte Geige ganz zufällig gefunden, als meine Geigenlehrerin für die Schüler, die ihre erste ganze Geige brauchten, solche Instrumente weiterverkaufte. Da lag zufällig eine im Übungsraum, ich habe die mal angespielt und war total begeistert von der tiefen G- und D-Saite im Vergleich zu meiner. Erst nach dem Kauf habe ich mal reingeschaut und war richtig ehrfürchtig, als ich das Datum sah - quasi "eine Antiquität", eine Geige, die möglicherweise schon von mehreren Spielern gespielt worden war. Jahrelang wusste ich nicht, dass man damit keinen Blumentopf gewinnen konnte, dass es dafür online abfällige Bemerkungen gab. Als sie kaputt ging, wollte ich sie unbedingt reparieren lassen, auch wenn das extrem teuer war - obwohl mir der Geigenbauer abriet und meinte, diese Geigen gäbe es wie Sand am Meer. Jaaa - nur leider fand ich keine mit exakt diesem Klang!

 

Der Vorteil von günstigen Instrumenten ist ja auch, dass sie keinen Neid hervorrufen, keienr sie stehlen möchte. Bei mir wurde mal eingebrochen, meine erste Sorge war ernsthaft: Haben sie ein Instrument mitgenommen? Nein, hatten sie nicht, so etwas suchen die ja auch nicht, aber DAS wäre eben etwas gewesen, das ich nicht exakt hätte ersetzen können!

 

Wer ein wirklich teures Instrument hat, weiß das normalerweise, hat Nachweise dafür, behandelt es extrem sorgfältig, die Verwandten dürfte es auch meist wissen - also ist die Hoffnung, einen Goldschatz zu finden, sowieso sehr gering. Trotzdem kann es sein, dass die Geige von Oma zufällig DIE Traumgeige für einen ist, dass es vom Klang, von der Lautstärke, eventuell sogar vom Aussehen her gut passt. Man sollte da das Geld mMn eher vergessen und auch diese "Arroganz" über günstige und teure und sehr teure Instrumente. 

 

Es ist bezeichnend, dass die Geigenbauer im Maestronet scherzhaft fragen "und - wie klingt sie?!", weil das NIE ein Kriterium für dne Preis ist - allerdings für die meisten Hobbyspieler (es sei denn, sie suchen ein Dekoinstrument) DER ausschlaggebende Faktor ist, sich ein neues Instrument zu kaufen! Keienr wird sage, "oh, ich mag meine helle Geige nicht mehr, ich suche jetzt eine schön geflammte rote!" Oder WENN das jemand sagt, sucht der garantiert keine Geige über 1000€!

 

Ja, für Einzelne mag sich die Schleskegeige für 10.000€ lohnen! Die haben sicherlich auch einen sehr guten Klang. Ich will gar nicht auf diese Geigen und diese Kaufentscheidungen herabsehen. Es kann aber durchaus sein, dass ein Spieler mit seiner 1000€-Geige genauso glücklich ist wie der andere mit seiner 10.000€-Geige und beide niemals ein anderes Instrument spielen wollen würden!

 

Für mich ist die Frage nachd em Wert nur wichtig für den Weiterverkauf oder eine Gedankenspielerei, reines Interesse, was das Instrument denn nun wert ist - beim Spielen selbst ist sie mMn total unerheblich!

 

Ich kannte mal jemadnen, der wenig Geld hatte und sich eine Geige für 400€ gebraucht bei Ebay gekauft hatte und sich ein bisschen dafür schämte - dieses Instrument klang aber auch "gut". Da gab es nichts zu meckern von meiner Seite. Es gab keinen Faktor, der so schlecht gewesen wäre, dass man unbedingt ein neues Instrument gebraucht hätte!

Neuester Beitrag OldFiddler Profilseite von OldFiddler, 30.07.2024, 07:58:35

Der "Wert" ist ansichtssache.

 

Der "Preis" ist dagegen etwas anderes.

 

Wirtschaftswissenschaftler würden sagen es ist die Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Das hat mit "Qualität" überhaupt nichts zu tun.

 

Der Durchschnittsmensch wird einen Preis eher ins Verhältnis zu seinem Einkommen betrachten. (Vergleich mit der eigenen Arbeit). Auch das hat mit "Qualität" wenig zu tun. 

 

Rechnet man mal einen typischen Handwerksmeisterlohn hoch wenn der 6 Wochen durchgehend an was wurschtelt kommen da auch Unsummen raus. Auch unabhängig von der "Qualität". Kein Wunder daß völlig handwerklich bei uns gebaute Instrumente schnell fünfstellige Summen kosten. Es geht bei unseren Sozialstandards nicht billiger.

 

Informationen in Foren sind für mich persöhnlich nur ein Teil Informationen die ich nutze. Sie sind unbequem weil man grundsätzlich zwischen den Zeilen lesen muß. Wer sagt da was und wie relevant ist das für mich? Das ist im Netz grundsätzlich so, weil jeder seinen Senf abgeben kann. Wenn ein hochkarätiger Fachmann etwas sagt messe ich dem mehr Gewicht bei. Offen ist trotzdem warum er das sagt. Manche werden z.B. von Firmen bezahlt. Das ist dann nicht mehr als Werbung.

 

Letztlich bleibt nur der mühsame Weg es selbst für sich herauszufinden.

 

Was Geigen betrifft ist meine letzte Erfahrung etwa so daß man größere Chancen hat ein "gutes" Instrument zu einem fairen Preis zu bekommen, wenn der Geigenbauer auch ein guter professioneller Musiker und Lehrer ist. Für den ist eine Geige nämlich kein Luxusmöbel sondern ein Gebrauchsgegenstand.

 

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß eine 400€ Geige besser klingen und spielbar sein kann als eine für 2400€. Die Preisbildung hat leider wenig mit dem zu tun was man als Musiker sucht und braucht.

 

Wenn in Foren abfällig über Ausrüstung geurteilt wird die man selbst für gut genug hält würde ich sagen: "Zeig' mir deine Fotos", "Spiele mir etwas vor" und beweise daß deine Argumente Gewicht haben. Es gibt auch Argumente die nicht falsch sind, aber wenig nutzen.

 

 

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