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Welchen Geigenbogen?

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lorelei Profilseite von lorelei, 29.10.2021, 18:01:44
Welchen Geigenbogen?

Hallo,

 

ich habe als Kind mal ein Jahr lang Geige gespielt bis meine Eltern mich abgemeldet haben. (Ich weiß bis heute nicht, warum eigentlich.)

Seitdem wollte ich immer wieder mit dem Spielen anfangen. Das ergab sich jedoch aus diversen Gründen nicht. 

Vor einem Jahr hat ein Kollege von mir beim Ausräumen des Hauses seiner verstorbenen Schwiegeroma eine Geige gefunden, mit der keiner aus der Familie etwas anfangen konnte.

Er hat sie mir dann als Dauerleihgabe ausgeliehen, und ich habe endlich wieder mit dem Spielen angefangen. Am Anfang hat mir ein Bekannter, der Orchestergeiger in Rente ist, ein paar Tips gegeben, meinte aber, ich hätte grundsätzlich schon eine gute Haltung etc.

Seitdem lerne ich alleine weiter.

 

Die Geige ist, laut einem anderen Kollegen, der Geigenbauer gelernt hat, ein ordentliches Instrument mit einem Wert von an die 1000 Euro. Das gleiche sagt der Orchestergeiger.

Anscheinend ist es eine von diesen 150 Jahre alten bömischen Manufakturgeigen mit falschem Stradivari-Zettel.

Der Klang gefällt mir gut.

 

Bei der Geige ist ein sehr leichter Bogen dabei (55 g), mit dem ich seit einem Jahr kämpfe. Das Problem ist offenbar, dass er sehr präzise auf meine Bogenführung reagiert. Das heißt, er fängt an, zu springen und zu zittern, sobald ich technisch unpräzise oder etwas unsicher streiche. (Der spürt quasi meine Angst vor komplizierteren Noten und nutzt sie aus. ;-))

Der Orchestergeiger, den ich kenne, hat das Problem nicht. Der hat aber natürlich eine super Technik.

 

Anfangs dachte ich, das gibt sich schon, wenn ich besser spiele. Etwas besser ist es in dem Jahr auch geworden. So langsam frage ich mich aber, wann ich wirklich gut genug für diesen Bogen bin. Ich möchte nicht 5 Jahre mit ihm kämpfen, bis wir zwei miteinander klar kommen.

Der Bogen, den ich mit 12 hatte, hatte eine deutlich bessere "Straßenlage". Da kann ich mich nicht an solche Schwierigkeiten erinnern. Das war aber eine Leihgeige inklusive Bogen von der Musikschule. 

 

Also würde ich mir gerne einen Bogen besorgen, der besser für Anfänger geeignet ist. Wahrscheinlich müsste der etwas schwerer sein, so 59 bis 60 g, nach dem, was ich gelesen habe.

Ich hatte mir gedacht, ich bestelle mir bei einem Händler zwei, drei Bögen und probiere sie aus. 

Es gibt ja Bögen aus Carbon und aus Holz. Eigentlich möchte ich den Abbau von Tropenholz nicht unterstützen, aber taugen die Carbon-Bögen genauso viel?

In welcher Preisklasse sollte ich gucken? Unter 150 Euro macht wohl keinen Sinn, aber wie hoch geht man sinnvollerweise?

Der Orchestermusiker, den ich kenne, hat einen Bogen für mehrere 1000 Euro. So ein Bogen wäre an mich verschwendet, aber was ist eine sinnvolle Preisspanne für eine 46-jährige Hobbymusikerin?

 

Vielen Dank für Eure Tips. 

 

 

 

 

Wollmaus Profilseite von Wollmaus, 31.10.2021, 09:56:39

Hallo Lorelei,

 

ich würde mich für den Anfang für einen Carbonbogen entscheiden. Da gibt es schon günstige, die sind gar nicht schlecht.

Ich habe z.B. diesen länger gespielt und finde den ganz ok: Alfred Stingl AS36V, kosten ca. 140€ aber auch andere Hersteller haben in diesem Preissegment welche, die es sich zu testen lohnt. Einfach mal ein paar zuschicken lassen und ausprobieren.

 

Viele Grüße!

 

 

Merlin Profilseite von Merlin, 01.11.2021, 11:35:37
Ich war ganz zufrieden mit Viennabow, und mit Codabow, aber das ist dann schon wieder eine andere Preisklasse.
Bavarica Profilseite von Bavarica, 01.11.2021, 14:49:02

Hallo Lorelei,

 

ich schließe mich an und würde auch zum Carbonbogen raten. Gerade im Schülersegment bekommst Du mit Carbon einen besseren Bogen für Dein Geld als mit Holz. Für viele Anfänger hat sich der Einsteigerbogen von Carbondix bewährt, den gibts schon um die 90 Euro. 

 

Gruß,

Bavarica

lorelei Profilseite von lorelei, 01.11.2021, 20:45:27

Vielen Dank. Dann habe ich schonmal ein paar Anhaltspunkte, wonach ich gucken kann.

Viennabow hat auch Bögen bis ca. 300 Euro. Das wäre für mich ebenfalls ok. 

Nuuska Profilseite von Nuuska, 01.11.2021, 22:47:17
Eine weitere Stimme für Carbon. Selbst habe ich - für Risikosituationen - einen abgelegten "AS Carbon" (AS steht für Alfred Stingl) meines Sohnes, erworben vor 5 Jahren beim lokalen Geigenbauer um €120. Genau so etwas würde ich Dir empfehlen. Für Carbon relativ warm im Klang, ruhige stabile Straßenlage und schwer aus der Ruhe zu bringen, macht aber mit etwas gut Zureden auch sämtliche Bogentechniken bis zum Sautille brav mit. Als Nerd mit einer wachsenden Sammlung an für meine Verhältnisse viel zu guten und teuren Bögen habe ich da ein wenig Vergleiche, und natürlich ist es kein Vergleich zu den meisten Dingen die da so rumliegen, aber es klingt mir verdächtig nach dem, was Du suchst. Kleiner Bonus: Carbonbögen sind häufig gute Partner für einfachere (nicht zu verstehen als schlechte!) Instrumente aus dem "Schülersegment", die oft ein wenig gedeckt klingen. Aber Achtung: Nur Du kannst entscheiden, ob es klanglich harmoniert! Wir mittelalterliche Hobbyisten spielen ja vorwiegend für uns selbst, also muß es in erster Linie uns selbst gefallen...

 

Viennabow kenne ich auch. Meiner Erfahrung nach sind die oft etwas gar steif und vertragen nur wenig Spannung. Codabow geht definitiv schon in ein höheres Preisniveau, das ist vorerst sicher nicht nötig. Ein AS hat alles, was Du brauchst, und ist richtig bequem!

 

Eine weitere Alternative wäre, Ausschau nach einem "zu weichen" Holzbogen zu halten. Ich hab da einen vom Flohmarkt gerettet und wiederbelebt, der ist so ein eigenartiges Ding. Die Stange ist zu dünn ausgearbeitet, jetzt ist er eine echte Nudel und liegt auf der Saite wie festgeschnallt. Springen tut da gar nichts, außer man überspannt ihn. Klingt aber trotzdem nicht schlecht. ;-)
Nuuska Profilseite von Nuuska, 01.11.2021, 23:01:30
Solltest Du die Möglichkeit haben von einem lokalen Geigenbauer (wie z.B. Herr Adam hier, der uns dieses Forum zur Verfügung stellt) zu kaufen, dann tu es. Dort bekommst Du kompetente Beratung, wirst nicht über den Tisch gezogen, förderst die lokale Wirtschaft, und knüpfst Kontakte zu jemandem, den Du früher oder später unweigerlich brauchen wirst. Auch wenn die Preise vielleicht um 10% höher sein mögen als beim großen deutschen Musikalienversandhändler, das ist es wert! Du kannst auch vor Ort ausprobieren was lagernd ist, hast oft auch ein Sortiment an Gebrauchtware, und darfst bestimmt auch was "richtig schönes" ausprobieren um einen individuellen Vergleich zu bekommen.

 

Sollte das aus irgendeinem Grund nicht in Frage kommen, versichere Dich daß Du einen Bogen kaufst der sich neu behaarten lässt. Es gibt nämlich v.a. online tatsächlich auch "Wegwerfbögen", bei denen das nicht möglich ist. Alle oben genannten Marken fallen nicht in diese Kategorie.
Fidi Profilseite von Fidi, 02.11.2021, 20:39:27

Mir wurde beim Kauf meiner Geige (Wert 1500 €) gesagt, ein passender Bogen dazu wäre in der Preisklasse um die 300 € (auf meine Frage, wie viel ein "besserer" Bogen kosten würde). Ich muss aber sagen, dass ich verschidene Billigbögen ausprobiert habe - meinen, der mit meiner Geige kam (1930er Jahre) und einige die mit anderen Geigen (Einsteigergeige, Elektrogeige) kamen. Und ich habe da nie einen Unterschied gemerkt.

 

Von daher wäre meine Empfehlung, ja, mehrere Bögen auszuprobieren, mehrere EINER Preisklasse und mehrerer MEHRERER Preisklassen - taste dich da langsam nach oben, 150 €, 250 €, 350 € und zum Vergleich mal einen der höheren Preisklasse - ABER vorher vielleicht noch mal ein bis 5 Stunden zu nehmen und deine Bogentechnik vorher noch mal korrigieren zu lassen, dir Tipps zu holen, warum dein Bogen zittert und wie du das korrigieren könntest. Vielleicht findest du einen privaten Lehrer, der dir diese Einzelstunden ohne Mindestlaufzahl geben würde, der also nicht erwartet, dass du dann erst mal für ein halbes Jahr zahlst.

 

Ich würde mir Youtube-Videos zum Thema anschauen, da wird auch gleich demonstriert, was gemeint ist, und erst mal täglich auch leere Saiten zu striechen üben mit dieser "Bogen durch Honig ziehen"-Technik. Und dann erst mal schauen, ob der Bogen bzw die Bogenführung dadurch ruhiger wird.

 

Ich hatte eine 7jährige Geigenpause und fand für den Wiedereinstieg dieses Video sehr gut:

 

https://www.youtube.com/watch?v=XbWG998uz1M

 

Aber es gibt sehr viele Videos dieser Art auf YT, schaue da einfach mal, was für dich passen würde.

 

Ich würde sonst erst mal Geigenbauer fragen, ob du einen oder mehrere Bögen einen Monat oder so mieten kannst. Ich denke, es ist schwierig, etwas zu kaufen, mit dem man vielleicht noch gar nicht zurecht kommt, weil einem der entscheidende Tipp für die Handhabung fehlt.

 

LG von

Fidi

Fidi Profilseite von Fidi, 02.11.2021, 20:47:56

PS

 

"Er spürt quasi meine Angst vor komplizierten Noten"  - kann es auch sein, dass du dich einfach überforderst, zu viel Neues auf einmal übst, eine Stelle zu schnell schnell spielen willst etc. und dabei einfach nicht die Kapazität hast, auch noch auf die Bogenhaltung zu achten? 

Also: Zittert er auch, wenn du nur einen Takt ganz langsam spielst, jeden Tag die Geschwindigkeit etwas erhöst und erst schneller wirst, wenn du den Takt in der vorherigen Geschwindigkeit sauber spielen kannst?

 

Dann läge es nämlich nicht am Bogen, sondern wäre ein bekanntes Problem der eigenen Überforderung, indem man versucht, auf zu viele Aspekte auf einmal zu achten.

 

Zum Üben finde ich die beiden Bücher von Gerhardt Mantel sehr schön:
Cello üben (sehr gründliches Buch für das Üben von Streichinstrumenten, Haltung, Vibrato, wie ein neues Stück einüben, wie eine Übesession planen, wann "kann" man ein Stück, wie übt man schwierige Stelle etc.) und

Einfach üben (mehr so in Richtung: Bewegungsabläufe üben, wie übt man effizient, wie kann man das Üben interessanter gestalten, was sind grundlegende Aspekte der Einübung von Bewegungen usw.).

 

Zum Reinschnuppern findet man manchmal eines oder beide Bücher in größere Stadtbüchereien oder Unibibliotheken.

lorelei Profilseite von lorelei, 04.11.2021, 18:29:39

<p>Das Zittern des alten Bogens liegt sicherlich auch an meiner nicht so guten Technik. Der Orchestermusiker, den ich kenne, hat mit ihm ja keine Probleme.</p>
<p>Allerdings hat die Tochter von Bekannten, die seit ca. 8 Jahren Geige spielt (nicht sonderlich engagiert, aber trotzdem besser als ich) mit diesem Bogen auch das Problem, dass er zittert. Das ist zwar weniger als bei mir, aber richtig gut klingt das bei ihr auch nicht. Mit ihrem eigenen Bogen klappt es besser.</p>
<p> </p>
<p>Wenn ich die erste Übung aus Fidis-Video mache (was übrigens super ist. Vielen Dank :-)), stelle ich fest, dass der Bogen in der oberen Hälfte anfängt zu zittern.</p>
<p>Damit werde ich mich jetzt mal näher befassen.</p>
<p> </p>
<p>Trotzdem finde ich einen weniger emfindlichen Zweitbogen nicht verkehrt. Man kann ja wechseln, je nachdem, ob man Technik üben oder ob ein Stück gerade ohne Zittern schön klingen soll. </p>
<p> </p>
<p>Ich muss mal überlegen, ob ich mich zu einem Geigenbauer traue. Ich denke mir immer, dass das total peinlich wird, wenn ich da mit meinen nicht vorhandenen Fähigkeiten auftauche. ;-)</p>
<p> </p>
<p>Nach den Büchern werde ich gucken.</p>
<p> </p>
<p>Vor Corona hatten mein Bekannter, der Orchestermusiker war und ich überlegt, uns ab und zu zu einer Unterrichtsstunde zu treffen. Das hatte Corona dann torpediert. Ich muss ihn mal anrufen, wie es jetzt aussieht</p>
<p> </p>
 

Neuester Beitrag Nuuska Profilseite von Nuuska, 07.11.2021, 07:38:44
Also, zum Geigenbauer kannst Du Dich gerne hintrauen. Der kennt solche Situationen gut genug und hat mehr mit Anfängern zu tun als mit international gefeierten Solisten. Mach Dir einfach einen Termin aus, damit nicht full house ist wenn Du dort bist.

 

Geigenbauerr haben viele Zeiten ohne direkten Kundenverkehr.. Irgendwann müssen sie ja arbeiten auch. Üblicherweise ist es kein Problem, da mal für ein Stündchen Bögen zu probieren und dann zwei oder drei infrage kommende zur Probe mit nach Hause zu nehmen, falls nötig. Wenn es allerdings um einen CF-Bogen im niedrigeren Preislevel geht, ist das kaum nötig. Entweder ein Bogen löst das Problem, oder eben nicht.

 

Ich kenne das Problem mit dem "Zittern" vor allem von günstigeren Holzbögen. Da gab es zu meiner Anfangszeit auch viele, die ich nicht unter Kontrolle bringen konnte. Letztlich lag es bei mir daran, daß ich mich nicht traute ordentlich in die Saite zu gehen, aus Angst vor lauten hässlichen Geräuschen. Seit ich keine Scheu mehr vor einem vollen satten Klang mehr habe, hat sich das Problem schlagartig gelöst. (Knackpunkt war der Lehrerwechsel nach 6 Monaten und ein damit einhergehende neues Mindset.) .

 

Falls Du Dich da wiedererkennst empfehle ich, lange langsame Bogenstriche (erst leere Saiten, dann Tonleitern) mit viel Gewicht eher nahe am Steg zu üben. Lass es absichtlich knarren und knarzen. Was Du mutwillig auslösen kannst, kannst Du auch besser kontrollieren und vermeiden. Dann nimmst Du schrittweise das Gewicht aus dem Bogenarm und steigerst die Geschwindigkeit, bis wieder ein klarer Ton kommt und spielst zwei, drei Tonleitern RICHTIG LAUT. Das alles jedes Mal zu Beginn einer Übungseinheit zum Aufwärmen. So verlierst Du die Angst vor Krach und bekommst ein Gefühl für den Bogen. Und dann geh eventuell noch mal shoppen.
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