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Schon wieder Spätgeiger...

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Sammmmy Profilseite von Sammmmy, 15.09.2021, 16:47:49
Schon wieder Spätgeiger...

Hallo zsm :),

Sorry dass ich ein so altes Thema hervorhole, aber mal was anderes zu dieser Frage:

 

Es gibt mittlerweile unzählige disskussionen bezüglich dieser frage: Kann man als erwachsener noch geige lernen?
Der eine meint mit völliger gewissheit, es sei möglich, der andere meint genau so vehement es sei nicht mmöglich.

 

Nun, dass es aber möglich ist, haben einige Menschen schon bestätigen können. Was meiner meinung nach viel interessanter ist, ist die Frage, wie weit derjenige kommt.

Das aus jemandem, der mit 50 beginnt, keine Hilary Hahn wird, ist sehr wahrscheinlich unumstritten klar. Aber um etwas realistischer zu sein:

 

Folgende (fiktive) Situation: Es sind 2 Menschen. Einer 4 Jahre, einer 30. Der 30igjährige hat als kind mal ein instrument gespielt, hat also grundlegende Kenntnisse.
Nun beginnen diese beiden gleichzeitig (haben beide noch nie eine Geige in der Hand gehalten) den unterricht. Beide üben (sagen wir 3h am Tag)... Gleiche Lehrmethode, alles gleich. zumindest ähnlich.


20 jahre später...


Bis heute haben beide jeden Tag 3h geübt. Unter den selben bedingungen. Aus dem 4jährigen wird sehr wahrscheinlich ein "kleiner" virtuose geworden sein. Aber wie sieht es mit dem 30 jährigen aus?
Wie weit ist er jetzt, wo genau liegen die unterschiede und wie groß ist die differenz (wenn es denn eine gibt).
Das ist ein Thema, dass mich weit mehr interessiert.
Gibt es keine Studien dazu? Keine Versuche, keine Erfahrensberichte? Hat niemand das experiment jemals gemacht?
Was für ein ergebnis würdet ihr erwarten? Oder was auch ineressant wäre, kennt jemand vllt. studien dazu?

Neuester Beitrag Fidi Profilseite von Fidi, 18.09.2021, 00:06:43

Als ich (mit Anfnag 20 angefangen ohne Vorkenntnisse) in der Musikschule war, waren da auch so ca. 8 bis 12jährige. Zwei waren recht häufig mit mir in den Proben für Auftritte, die die Musikschule organisierte. Eine galt als sehr begabt, von der anderen hörte ich weniger. Die Begabte hatte nach eigener Aussage selten Lust zu üben, besonders nicht an Tagen, an denen sie Unterricht oder Proben hatte. Ihr Ehrgeiz war es, schnell zu spielen (Tempo) und schnell ein Stück zu lernen und dann auswenidg zu spielen. Vibrato fand sie nicht so spannend und machte das nur auf Anweisung der Lehrerin. Interpretation lernten wir alle nicht, also kann man ihr nicht vorwerfen, "nur nach Noten" spielen zu wollen, ohne Einbringen eigener Ideen, Betonung, Phrasierung etc.

 

Das andere Mädchen hatte einfach Spaß am Spielen, übte wohl nicht täglich, aber offenbar mit mehr Freude als die Begabte und kam auch recht schnell vorwärts. 

Beide waren wohl auch in der Schule sehr gut und engagiert im Musikunterricht.

 

Und dann war da ich, kein Interesse an Musiktheorie, da mir die viel zu kompliziert erschien, extrem langsame Lernerin, aber Interesse daran, bestimmte Stücke "wie die Profis" zu spielen, also mit Ausdruck, Vibrato etc. Dabei dauerte es extrem lange, bis ich überhaupt ein Stück spielen konnte, und noch deutlich länger, bis ich es schnell spielen konnte, vermutlich niemals im gleichen Maximaltempo wie die Begabte.

Ich habe hier noch ein Programm eines Auftritts, auf dem unsere Namen standen und habe die beiden Mädchen mal gegoogelt und fand nichts, besonders nichts im Zusammenhang mit Geigespielen. Also sind sie wohl keine Berufsmusikerinnen geworden.

 

Ich selbst habe immer wieder ein bis mehrere Jahre mit dem Geigenspielen pausiert. 

 

Ich denke, ein Vergleich ist daher sehr schwierig.

 

Hinzu kommt, dass ich es verantwortungslos fände, einen Vierjährigen zum dreistündigen Üben täglich zu verdonnern, so lange kann der die Geige  nicht halten, so lange kann der sich gar nicht konzentrieren und - würde man das verlangen - würde der sofort mit dem Spielen aufhören, wenn er die Chance dazu hätte.

 

Was man sagen kann: Kinder gewöhnen sich schneller und besser ans Geigehalten, können schneller die Bewegungsabläufe lernen und von daher vermutlich früher schnell spielen, schwere Stellen und anspruchsvolle Stücke spielen. 

 

Erwachsene haben unterschiedliche Motivationen. Wenn jemand sehr ehrgeizig "schwere Stücke" spielen möchte, dürfte der das auch schaffen. Nicht zu vergleichen wäre er mit jemanden, der mit vier anfing und dann immer ehrgeiziger wurde, ein Musikgymnasium besucht und später an einer Musikhochschule studiert hätte. Diesen Vorsprung könnte der Erwachsene nie aufholen. 

Wenn der Vierjährige aber weiterhin nur Hobbyspieler hätte sein wollen, acuh noch andere Hobbys gehabt hätte und nicht von seinen Eltern gedrillt worden wäre (!), wäre es durchaus möglich, dass sie - bei gleicher Begabung - nach 20 Jahren ein ähnliches Niveau hätten, wobei der anfangs Vierjährige aufgrund des schnelleren Bewegungslernen UND der größeren Freizeit in Kindheit und Jugend vermutlich einen Vorsprung hätte.

 

Aber: ich denke, es gäbe da SEHR viele Variablen, die man nicht bedenkt und die man schnwer gegeneinander abwägen könnte. Wer hat wie lange Lust, täglich zu üben? Wer übt wie effizient? Wer gestaltet sein Üben selbst (motiviert) effizient, wer hält nur den Übungsplan von Lehrer oder Eltern ein? Wer hat bessere körperliche Voraussetzungen? Wer hat eine höhere Begabung oder kann allg. besser lernen? (Hier denke ich, jemand, der in der Kindheit Noten lesen lernt und das kontinuierlich übt und irgendwann Noten wie Buchstaben lesen kann, ist DEUTLICH im Vorteil gegenüber jemandem, der das als Erwachsener lernt. Ich habe Jahre dafür gebraucht und kann heute noch nicht Noten flüssig lesen, besonders höre ich keinesfalls beim Lesen eine Melodie in meinem Kopf!)

 

Wer spielt warum, wer will was erreichen? Wie fühlt man sich beim Spielen, ist man entspannt, konzentriert, unter Druck, schneller vorwärts zu kommen, gestresst, weil etwas nicht klappt, hat man Angst, die Nachbarn oder den Partner zu stören, muss man üben, weil die Eltern Druck machen usw.? Das kann alles den Übeerfolg beeinflussen!

Sicher gibt es noch viel mehr Variablen!

 

Meine Vermutung ist übrigens, dass Erwachsene noch Viruosen werden KÖNNTEN, aber es meist am Zeitfaktor hängt. Erwachsene haben Berufe, können nur abends oder am WE zur Musikschule, haben dann oft nur max. 45 min Unterricht in der Woche, können zu Hause nur begrenzt üben. Kinder, die gefördert werden und Jugendliche haben viel mehr Freizeit, können auch zweimal wöchentlich oder öfter (Anne-Sophie Mutter, David Garrett) Unterricht nehmen. Erwachsene, die es an die Musikhochschule schaffen, MÜSSEN dort mehrere Fächer belegen und täglich 3 Stunden oder so üben, haben also viel, viel mehr Übe- und Unterrichtszeit als freizeitgeigende Erwachsene.

 

Die unrealistische Frage wäre also: Wie weit kämen beide, wenn sie exakt die gleiche Unterrichts- und Übezeit hätten und ähnliche Unterrichtsmethoden? Das lässt sich schwer beantworten.

Erwachsene haben Kindern voraus, dass sie einen Großteil der klassischen Musik schon gehört haben, also viele Melodien intuitiv schon kennen. Sie wissen, dass sie üben müssen und recherchieren, wie sie das effizient tun.

Kinder müssen alles erst mal lernen, müssen sich bewusst werden, was sie anstreben, müssen lernen, zu üben, müssen die klassische Musik erkunden - lernen dafür aber Notenlesen, Geigenhaltung, Fignerbeweglichkeit viel leichter.

Das ist schwer vergleichbar.

 

Hilary Hahn war mit 10 an der Uni, war aber auch als Kind schon sehr strebsam. 

 

Erwachsene über 30 dürfen nicht mehr an die Musikhochschule, also selbst, wenn sie sich frei nehmen und 5 Jahre studieren wollten, ist das nicht so möglich wie bei Studenten, nur in Workshops oder mit privaten Lehrern.

 

Viele Erwachsene können auf einem recht guten Niveau musizieren. Das recht gute Niveau heißt oft "Intermediate". Professionelle Geiger zeigen dagegen extrem anspruchsvolle Stücke, die sich aber mit Verlauf oft auch nur "virtuos" anhören (Last Rose of Summer etc.).

 

Wer also nur gut, sehr gut, nicht herausragend werden möchte, der hat - bei körperlicher Eignung! also ohne Gicht oder Arthrose - sicher auch sehr gute Chancen, wenn er mit 30 anfängt. Meist dürfte es fürs Laienorchester reichen. Im Profiorchester dürfte es reine Vorbehalte geben (und es fehlt das Musikstudium).

 

ABER: Wie ich oben schrieb: Nicht jeder begabte oder sogar hochbegabter Vierjährige möchte später mal Profimusiker werden. Viele Hochbegabte sind auch in mehreren Bereichen begabt und spielen dann ein oder mehrere Insturmente so nebenbei auf gutem, sehr gutem, höherem Niveau. Und einige verteilen ihre Begabung auf mehrere Instrumente, die sie dann "fortgeschritten" (intermediate) aber nicht darüber hinaus spielen.

 

Also: Das Experiemtn wäre aus meiner Sicht in der Breite (1000 Veirjährige, 1000 30jährige Anfänger) interessant, im kleinen Rahmen aber aufgrund der vielfältigen Variablen, nicht zuletzt der Motivation beider über diese 20 Jahre hinweg, schwer vergleichbar.

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