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Hindemith Sonate- Wie ist das mit den Vorzeichen?....

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FionaViolina Profilseite von FionaViolina, 21.06.2018, 23:47:19
Hindemith Sonate- Wie ist das mit den Vorzeichen?....
Moin!
Spiele seit heute von Hindemith die Violinsolosonate Op. 31 Nr 1), sollte mit dem 1. Und 4. Satz beginnen. Jetzt habe ich mich gefragt: wie ist das mit den Vorzeichen? Wenn da ein Vorzeichen steht, bezieht es sich dann nur auf diesen Ton oder auch auf den nächsten Folgeton/ auf alle Folgetöne im Takt? Bin etwas irritiert weil es in Aufnahmen an manchen Stellen so klingt, als würde sich das Vorzeichen nur auf den einen Ton beziehen und danach nicht mehr (auch wenn es in diesem Takt kein auflösungszeichen gibt) manchmal steht aber auch nur bei dem einen Ton ein Vorzeichen und es wir im Folgenden weiterhin im Takt mit diesem Vorzeichen gespielt.....das Werk ist aus 1939, ist ja freie Musik, aber weiß jemand ob sich die Vorzeichen nur auf den einen Ton beziehen oder welche Regeln es da gibt?
Danke für eure Antworten!
Neuester Beitrag peerceval Profilseite von peerceval, 23.06.2018, 12:39:59

die Frage ist einfach zu beantworten. Nach moderner Notationstradition gelten

  • Vorzeichen am Anfang eines Stückes für alle Takte des ganzen Stückes (sofern sie nicht von taktspezifischen Vorzeichen oder nach einem Doppelstrich generell neu gesetzten aufgehoben / verändert werden) [kommt im 1. Satz von Hindemith nicht vor]
  • Vorzeichen in einem Takt für all dieselben Stammtöne eines Taktes (sofern sie nicht von einem neuen Vorzeichen vor demselben Stammton aufgehoben werden) [s. Takt 2: unter der Triole is b notiert, bei der 3. letzten Note des Taktes wird das b durch ein Auflösungszeichen wieder aufgehoben]

Aus diesen Regeln folgt, dass in Takt 3 5. Note zuerst g'' a' f'' a' heißt und dann direkt danach as' b' as' g' as' ges'' as' f''.

Leider muss man bei Hindemiths Musik - wie auch bei anderer Musik aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts - diese Dinge einfach auswendiglernen. Aus harmonischen Zusammenhängen ergibt sich das nur sehr bedingt. (Bei der Stelle in Takt 2. könnte man an einen g-moll Kontext mit anschließender 'Rückung' nach FIS/H-Dur denken. Takt 3 beginnt wieder mit einem g-moll Kontext, gefolgt von einem AS7 Des-Dur Kontext. Für das 'Feststellen' solcher verschleierten harmonischen Zusammenhänge [die meist sehr strittig sind] muss die Vorzeichenfrage natürlich vorab im obigen Sinne geklärt sein. Für das Behalten der Passagen ist das aber sehr hilfreich.)

Dass die Ausgabe auf imslp genau dieser Deutung folgt, kann man perfekt an Takt 4 erkennen:

  • er beginnt mit es' g' b' es'', wobei beide es mit einem b versehen sind (e' und e'' sind 2 verschiedene Stammtöne)
  • dann folgt es''' f''' es''' d''' es''' e'' - wobei das e'' mit einem Auflösungszeichen versehen ist, dass danach folgende es''' ist dann wieder ein es''', weil das b vor dem ersten es''' weiter gilt. Dass das so gemeint ist, ergibt sich aus Takt 5, wo der 1. Ton wieder ein es'''  mit Vorzeichen b ist und dasselbe Motiv iw in Takt 4 intoniert.

Ich hoffe, das hlft weiter

herzlichst P.

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