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Witterungseinflüsse auf Geige / Carbongeige

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DerGeiger Profilseite von DerGeiger, 11.03.2018, 21:12:13
Witterungseinflüsse auf Geige / Carbongeige

Hallo zusammen,

wie sehen die Witterungsverhältnisse auf die Geige aus? Sind diese in der Praxis so extrem, daß ich immer einen Hygrometer und Thermometer dabei haben muß?

Hat jemand von euch eine Carbon Geige? Sind die in der Praxis tatsächlich besser geeignet, weil man sich über die Witterungseinflüsse keine Gedanken machen muß? Dann wäre das ein großer Vorteil gegenüber Holzgeigen. Vom Klang kann ich nichts dazu sagen...

 

Gruß

DerGeiger

Bratsche_13 Profilseite von Bratsche_13, 12.03.2018, 14:48:40

Hallo,

"müssen" ist natürlich sehr relativ. :)
Temperatur und - noch mehr - Luftfeuchtigekeit wirken sich auf alle (Holz-)Instrumente aus, "so extrem" ist das im üblichen Streichinstrumenten-Alltag aber meist nicht, dass man deshalb immer ein Hygrometer oder Thermometer dabeihaben sollte. Gerade ein Thermomenter braucht es schon von daher nicht, da sich Streichinstrumente bei Tempereraturen, bei denen sich Menschen in Innenräumen üblicherweise wohlfühlen, im Wesentlichen auch 'wohlfühlen' (mal abgesehen von Extremsituationen wir Sauna-Aufenthalten ;-) ).
Bei niedrigen Temperaturen (abends draußen oder in kalten Kirchen, wenn man mal dort spielt) reagieren die Instrumente schon etwas, aber die Temperaturen bekommt man ja auch selbst mit, und viel machen lässt sich da eh nicht, wenn es keine Heizung gibt.

Relevanter ist da schon die relative Luftteuchtigkeit (mit der die Lufttemperatur schon auch zusamnmenhängt), denn das Holz kann ja Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben (genau wie Darmsaiten, wenn man welche verwendet).
In unseren Breiten ist dabei vor allem die häufig viel zu trockene Luft in der Heizsaison relevant (oder in Ostdeutschland auch mal im Sommer bei heißem Ostwind), und da kann ein (gutes und geeichtes) Hygrometer im Kasten bzw. mit dabei schon mal sinnvoll sein, zu Hause natürlich auch in den Räumen (und eine vernüftige Luftfeuchtigkeit ist ja nicht zuletzt auch für Menschen gesünder).
Das Holz verliert bei Trockenheit Volumen und zieht sich zusammen, die Instrumente verstimmen sich dadurch, klingen 'trocken', Leimungen können aufgehen, und im schlimmsten Fall kann die Instrumentendecke reißen.
Als Gegenmaßnahme gibt es (neben Raumbefeuchtung) z.B. sogenannte "Dampits" und Ähnliches, mit einem saugfähigen Material gefüllte Gummischläuche, die sich feucht machen und ins Instrument hängen lassen; damit ist man auch in trockenen 'Fremdräumen', auf deren Luftfeuchte man keinen großen Einfluss hat, auf einer relativ sicheren Seite.

Über die Suchfunktion findest du sicher einiges mehr dazu im Forum (Luftfeuchtigkeit allgemein, und Dampit).

Zu Carbon-Instrumenten kann ich nichts sagen.

Nuuska Profilseite von Nuuska, 12.03.2018, 18:16:24
Carboninstrumente sind tatsächlich sehr praktisch. Sie haben kaum Schwierigkeiten mit Temperaturschwankungen, gehen auch sonst nicht so leicht kaputt, und man hat beim Camping immer einen Behelfsspaten dabei. Sie spielen sich auch wie eine richtige Geige, und klanglich können sie zumindest mit den billigsten Sperrholzgeigen aus dem Reich der Mitte mithalten. Von diesem Lobgesang auszunehmen sind einige sehr sehr wenige allerdings sehr hochpreisige Produkte, mit denen man tatsächlich auch richtige Musik machen kann. Wenn Du etwas unkompliziert-unkaputtbares zum Üben unterwegs suchst, bist Du z. B. mit einer YSV (Yamaha silent violin) besser aufgehoben, die läßt sich auch hotelzimmerleise spielen.

 

Aranton Profilseite von Aranton, 13.03.2018, 15:38:11

So schlecht wie ihr Ruf können Carbon-Geigen eigentlich nicht sein. Aber das ist vor allem eine Aussage darüber, wie schlecht ihr Ruf ist. Das ist meiner Ansicht nach - ungeachtet ihres Klangs und ihrer Eigenschaften - ein Grund die Finger davon zu lassen. Wenn Du mit anderen zusammen spielen willst und dabei mit einer Carbon-Geige aufschlägst, wirst Du für die nur noch der Spinner mit der Plastik-Geige sein. Da bist Du besser beraten, Dich mit der Wetterfühligkeit von Holz herum zu schlagen, zumal die - wie Bratsche 13 bereits geschrieben hat - nicht so dramatisch ist.

 

Beim Bogen ist das allerdings etwas anderes. Da ist Carbon ein durchaus akzeptiertes Material, und wenn ich einen neuen Bogen bräuchte, würde ich mir zuerst Carbon-Bögen anschauen; nicht so sehr wegen der Materialeigenschaften, sondern vor allem, weil die Hölzer aus denen Bögen gemacht werden aus den Tropen kommen, und in ihrem Bestand gefährdet sind. Und selbst wenn ein Holzbogen in derselben Preisklasse sich etwas besser spielen und etwas besser klingen sollte, wäre ich im Sinne der Nachhaltigkeit gewisse Abstriche in Kauf zu nehmen.

Neuester Beitrag Nuuska Profilseite von Nuuska, 13.03.2018, 23:12:43
Das hat Aranton wieder einmal bestens auf den Punkt gebracht. Wobei es bei CarbonBÖGEN sehr häufig so daß man vor allem in den unteren und mittleren Preisklassen wesentlich mehr Bogen für sein Geld bekommt als bei Holz. Ich selber bin sicher kein Experte für Carbongeigen, und man kauft sie auch nicht einfach so im Laden. Zwei habe ich bis jetzt ausprobieren können. Fazit - tatsächlich spielbar, klanglich ein Murks. Lasse mich bei Nr. 3 gerne vom Gegenteil überzeugen!

 

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    Das gezeigte 4/4 Cello wurde über Ebay-Kleinanzeigen angeboten und von einem Interessenten nach einmonatiger Kommission bis Ende Januar weder bezahlt noch zurückgegeben und daher ist kein Eigentum an dem Instrument zu erwerben! Es wurde am 30.12.2017 in einem grauen Hardcase entwendet. Eine Betrugsanzeige läuft.

    Beschreibung:
    Solisteninstrument, hervorragender Zustand, orangebrauner dicker Lack, angeschäftete und ausgebuchste Schnecke, zweiteiliger Boden, waagrecht geflammt, sehr weitjähriges Deckenholz, Zargen teils wild geflammt, Schnecke ungeflammt. Saiten SPIROCORE Tungsten / LARSEN Solist. Bes. Merkmale: Bodenzäpfchen ersetzt mit ovalem Ansatz, Schnecke angeschäftet, kleine rötliche Lackschlieren am Boden, überaus modellierbarer Klang mit vielen Farben. Bodenlänge: 75,5 cm
    Mensur: 69,4 cm
    untere/mittlere/obere Breiten: 42,4 cm / 23,4 cm / 33,3 cm
    Zargenbreite inkl. Decke/Boden: 12,7 cm
    Bauort: Frankreich
    Baujahr: lt. Geigenbauer geschätzt um 1850, vielleicht natürlich auch später.

     

    Informationen über den Verbleib können über die Geigenbauwerkstatt Adam diebstahl@geigenbau.de an den Besitzer weitergeleitet werden.

     

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