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30, Lernen ohne Lehrer??

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Zugeordnete Kategorien: Unterricht - Geige üben

Vescya Profilseite von Vescya, 06.07.2015, 18:20:56
30, Lernen ohne Lehrer??

Hallo,

 

so viele Fragen..

 

ich bin 30 Jahre alt, absolute Anfaengrin, eine Geige (schoenbach, ca. 500$) geliehen seit ca. 2 Wochen, dont fret Sticker, Buch "Violine fuer Dummies", - kein Lehrer, keine anderes Instrument, evtl. keine Ahnung..

 

 

Mein Unterricht (mit mir selbst als meine Lehrerin) sieht so aus: Geige stimmen, Leere Saiten spielen, Tonleitern spielen so fuer 5 Minuten (auch mit augen zu) und dann Uebe ich meine STuecke (aus Anfaenger Buechern mit ganz einfachen Stuecken) fuer 15 Minuten. Dann pause, dann rumeiern.... und das mache ich mehrmals am Tag.. und zwischendurch muss ich immerwieder meine Haende korrigieren und meine Schultern... und manchmal denke ich, das ist doch alles zu schwierig... hab mal das Stimmgeraet beim spielen dran gelassen :D weiss nicht ob man das so machen kann, aber war gut...

 

Ausserdem mache ich Uebungen fuer das Vibrato und die Bogenfuehrung sowie fuer den 4. Finger, um ihn zu staerken..

 

 

Eigentlich klappt es ganz gut, denke ich... moechte aber auch nichts falsch machen.. Also ich kann jetzt Twinkle Twinkle little STar spielen und ein paar Tonleitern sowie "Ode to Joy" hoert sich gar nicht mal so schlecht an...

 

Meine Fragen: Was wuerde mir ein Lehrer bringen? Was wuerde der machen, wie saehe so eine Unterrichtsstunde aus?

 

Wuerde mich ueber Antworten sehr freuen...

 

 

 

Sysopa Profilseite von Sysopa, 06.07.2015, 20:32:53

Hallo Annabell,

 

30 Jahre? Super Alter: reif genug, um die Po-Backen zusammenzukneifen und Dich durch zu "kauen", jung genug, um den Kopf noch dafür zu haben...

Halbwegs vernünftige Geige? tausend Mal besser, als ein 30 Euro E-Bay Sperrholz-Teil... Deine Geige jetzt wird Dir das Feedback geben, was Du brauchst zum lernen, was Du lernen musst zu spüren...

Keinen Lehrer? Nun, kein Lehrer ist besser, als ein schlechter Lehrer (sage ich). Was wichtig ist: Selbstreflektion, Selbsteinschätzung, Schweinehund überwinden, dran bleiben... okay: noch besser wäre, Du hättest jemanden, der Dich mal in die "richtige Richtung" schubst...

Kein anderes Instrument? Okay, die meisten werden sagen, dass das schlecht ist, weil Dir die Gehörbildung fehlt... und ich stimme ihnen zu - aber es hat auch etwas gutes: Dein Gehör ist nicht durch andere Instrumente "versaut" - was durchaus einen Vorteil darstellen kann (aber dazu später, in ein paar Monaten oder Jahren, mehr).

 

Aber zu Deinen eigentlichen Fragen:

 

Vibrato ist toll - man kann sich so richtig schön in den richtigen Ton "rein eiern", besonders später beim Lagenspiel beliebt. </ironie> Tip: brauchst Du die ersten 1-2 Jahre nicht, lass es. 

 

Ein Lehrer würde (im besten Falle) auf Dich und Deine spezifischen Stärken und Schwächen eingehen und Dich ab und zu in die richtige Richtung "schubsen"... im schlechtesten Falle zieht er "sein" Programm durch zwingt Dich in seine Schubladen... das wäre kontraproduktiv. Lernen ist etwas sehr individuelles... es gibt weder "den" richtigen Weg, noch "den" richtigen Lehrer... meistens.

 

Ein "starker" vierter Finger ist... elementar - es gibt Ausnahmen, aber selbst dabei brauchst Du ihn... er wird immer "besondere Beachtung" brauchen... auch nach 2, 5, 10 oder 20 Jahren noch... ist einfach so...

 

Wenn Du viel mitgelesen hast, wirst Du das Meiste schon wissen, aber eben nochmal zusammen gefasst:

[Geige und Bogen] immer sauber gestimmt, gerade für Anfänger extrem wichtig! erst mit Stimmgerät, danach nochmal die Saiten in der Quinte vergleichen. Wenn Du Feinstimmer hast: ruhig mal "rum drehen" und hören, wie sich der Ton verändert. Den Bogen nicht zu stark spannen... gerade so, dass er schön sauber federnd auf der Saite liegt... meist ist das eine Bleistiftstärke zwischen Haaren und Bogen. nicht zu viel Kolophon... zu viel ist schlimmer als etwas wenig - das wirst Du merken.

[rechte Hand] ein sauberer, selbstbewusster Strich ("knackiger" Ansatz, sauberes Mittelteil, definiertes Ende), die Töne müssen gleichmäßig und rhythmisch kommen, *sauberes* Spiel, kein Quietschen, Kratzen, keine anderen Saiten, die Du "mitnimmst", die Finger der Rechten Hand immer schön zum "Tennisball", den Bogen leicht und federnd führen - das ist das A&O. 

[linke Hand] die Finger sollten sauber mit der Kuppe auf den Saiten "sitzen" - nicht zu viel Druck, Du solltest den Ton nicht "ersticken" - berühre die Saiten "gerade eben" und steigere den Druck nur so viel, bis ein sauberer Ton kommt - das reicht. Das Handgelenk sollte nicht abknicken, der Daumen am Hals nur *führen* - auf KEINEN Fall Druck auf den Hals geben! Probier immer mal, testweise den Daumen vom Griffbrett abzuspreizen. Versuch die Schwingungen der Geige zu spüren, wenn Du die Intonation richtig triffst... besonders z.B. dritter Finger auf der D-Saite (G) sollte die ganze Geige so zum Schwingen bringen, dass Du das Gefühl hast, die Luft fängt an zu vibrieren... immer wieder die Intonation auch mit anderen Saiten vergleichen... das kannst Du besonders bei Tonleitern schön machen - aber auch bei Melodien geht das.

 

Hm... ja, das war so spontan, was mir dazu einfällt... vielleicht später mehr...

 

Liebe Grüße,

Thomas

 

Vescya Profilseite von Vescya, 06.07.2015, 21:25:59

Hallo Thomas,

 

vielen lieben Dank fuer all die hilfreichen Tips..

 

Es motiviert mich wirklich sehr deine Antwort zu lesen.

 

JA mit der (Schoenbach)Geige bin ich mir nicht so sicher, die ist geliehen, es ist ein neues Instrument, allerdings gebraucht, ich habe es einmal gegoogelt und nichts finden koennen, also es steht "Made in Germany" drauf.. ich fand nur dass Schoenbach Geigenbauer irgendwie nach Tschechien sind... bald sollte ich mir eine eigene zulegen (in 1-2 Monaten) und ich weiss nicht ob diese Geige wirklich 500 $ wert ist, da es auch welche fuer 200-300$ von Stentor gibt, die nicht schlecht klingen. Allerdings liebaeugel ich mit einer carbon Mezzo forte.. vielleicht zu viel fuer den Anfang?

 

Gehe direkt ausprobieren...

 

Gerne schreibe ich danach wie es war..

 

 

Liebe Gruesse

Annabell

Sysopa Profilseite von Sysopa, 06.07.2015, 21:38:53

Hallo Annabell,

 

"$" klingt nach "außerhalb Deutschlands" - wo kommst Du denn her, wenn ich mal neugierig fragen darf? :-)

 

Ich persönlich mag alte Geigen sehr gerne... welche, die Jahrzehnte, Jahrhunderte Geschichten erzählen könnten, das Holz hatte Zeit, Zeit sich an die Schwingungen zu gewöhnen, zu... "reifen". Versteh das jetzt nicht falsch: Ich habe auch zwei E-Geigen zuhause... aber klanglich sind diese alten Instrumente einfach... wunderbar.

Jedes neue Instrument verändert seinen Klang noch... teilweise unvorhersehbar... ein neues Instrument ist immer eine "Katze im Sack".

 

Geh zu einem richtigen Geigenbauer, lass Dir alte, gebrauchte Instrumente zeigen. Nimm am besten jemanden mit, der Geige spielen kann und dem DU vertraust - lass sie Dir vorspielen... und: lass Dir Zeit! Die richtige Geige wird DICH finden... lass Dich finden...

 

Liebe Grüße,

Thomas

Vescya Profilseite von Vescya, 09.07.2015, 18:23:30

Hey, 

 

habe mich immer gefragt, warum alte Geigen so beliebt sind.. das ist gut zu wissen, dankeschoen.

Ja ich finde, dass diese (alten) Geigen irgendwie "klassisch" klingen, oder holzig wuerde ich es nennen, was sehr schoen ist.

 

Habe mir genau das gleiche gedacht, dass die richtige Geige zu mir kommt, wenn es Zeit ist...

 

Allerdings, hat das mit der Carbon Geige einen anderen Grund, wir verbringen jaehrlich viel Zeit auf unserem Boot, da muessen sogar einfache Dinge wie Zucker in spezial Dosen, damit die nicht verkleben. Ich glaube, das ist kein guter Ort fuer eine Holzgeige... hmm, deswegen, dacht ich, warum dann nicht einfach ein aus Carbon... die sollte das ueberleben omg_smilemusicband

 

Liebe Gruesse.. Annabell

Neuester Beitrag Sysopa Profilseite von Sysopa, 14.09.2015, 09:38:11

Etwas spät, aber hier noch einmal ein paar Gedanken zum Thema Feuchtigkeit und Geige:

 

Generell kann man sagen, dass zu trockene Luft für eine Geige schlimmer sind, als zu feuchte Luft - und schnelle starke Schwankungen schlimmer sind, als langsames Gewöhnen. Als ideal werden gemeinhin 40-65% Luftfeuchtigkeit angegeben, wobei unter 40% schon böse Risse entstehen können, hingegen bei 65-80% das Instrument normalerweise absolut keinen Schaden nimmt (nur meine persönliche Meinung!).

 

Das Selbe gilt für Temperaturschwankungen... meine Geigen Spiele ich selbst bei strengem Frost draußen, genauso wie bei 30°C im Schatten (welcher Schatten?) - aber ich gewöhne sie eben langsam dran. Als Faustregel würde ich tatsächlich sagen: wenn Du Dich wohl fühlst, wird auch Deine Geige sich wohl fühlen...

 

Von daher sehe ich einen Aufenthalt auf einem Boot nicht ganz so kritisch wie Du - vorausgesetzt, Du benutzt sie nicht als Paddel!

 

Liebe Grüße,

Thomas

 

Tritonus Profilseite von Tritonus, 21.07.2015, 11:14:05

 

eine Geige ist kein Spaceshuttle, wer ein geübtes Gehör, halbwegs bewegliche Finger und viiiiiel Geduld hat schafft das auch ohne Lehrer
maxi211 Profilseite von maxi211, 13.09.2015, 17:29:43

Ich glaube, dass egal welches Alter, Menschen sollen Ihre Lieblings-Instrument spielen  lernen, ich wünsche Ihnen ein glücklichen Tag 

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