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Herz vs. Verstand? - Realistische Ermittlung des Marktwertes

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Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 00:11:26
Herz vs. Verstand? - Realistische Ermittlung des Marktwertes

Kürzlich lief mir eine äußerst sympathische Markneukirchnerin über den Weg. Auf meiner Suche nach einer neuen Lebens(abschnitts?)partnerin bin ich in letzter Zeit durchaus "ein wenig herumgekommen", aber hier war es - klanglich und spieltechnisch - Liebe auf den ersten Blick. Und auf den zweiten, und auf den dritten sowieso. (Sie hatte wohl eine zeitlang gerastet...) Nach einer Woche auf Probe hätte ich ihr am liebsten geradeaus das Jawort gegeben, und auch die "Gegenprobe" mit Konkurrentinnen einer (wesentlich) höheren Preisklasse unterschiedlicher Herkunft hat an meinen Gefühlen nichts grundlegendes ändern können. Fritz Arnold Brückner, Markneukirchen, Mitte der 60er Jahre.

 

Eigentlich scheint es sonnenklar was hier zu tun wäre. Wäre da nicht noch die Vernunft. Denn "eigentlich" liegt sie ein wenig (~20%) über meinem ursprünglichen Maximalbudget, und das noch ohne Bogen... Sei's drum, wo die Liebe hinfällt... Aber. Beim Versuch ein wenig über den üblichen Handelswert von Instrumenten FAB's herauszufinden komme ich lediglich auf Auktionsergebnisse, die gerade mal maximal ein Drittel des hier aufgerufenen Preises ausmachen. Allerdings für Instrumente aus seinen jungen (20er) Jahren, während es sich hier um ein Instrument handelt, das 35-40 Jahre jünger ist und aus seiner späten, wohl "gereifteren" Schaffensperiode stammt. Dafür sind mehrere kleine, irreparable, wenn auch oberflächliche und rein kosmetische "Auffälligkeiten" (Brandflecken?!) zu beanstanden, die ihr ein wenig etwas aschenputtelhaftes mitgeben und darum sicher einen Einfluß auf die eventuelle Wiederverkäuflichkeit haben würden. Wie wir alle wissen, Sex sells...

 

Was ich über Herrn Brückner herausfinden konnte ist nicht viel, nämlich sein Geburtsjahr (1899), daß er eine recht ausgedehnte Geigenbauerverwandtschaft selben Namens hatte, und daß er offenbar einer der angesehensten ostdeutschen Geigenbauer war. 

 

Da auch für mich (trotz meines offenkundigen Luxusproblems) das Geld nicht auf Bäumen wächst und ich mich für diesen Kauf sowohl finanziell als auch privat ordentlich strecken müßte, stellen sich mir nun folgende Fragen:

1. Was hat eine FAB aus den 60er Jahren tatsächlich für einen handelsüblichen Wert, bzw. wie findet man sowas heraus, woran orientieren sich z.B. Geigenbauer bzw. -händler, Gutachter etc.? (Ich nehme an Auktionsergebnisse und Preise beim Händler sind aus naheliegenden Gründen nur sehr eingeschränkt vergleichbar, und auch die beinahe 40 Jahre Differenz sollten ihren Einfluß haben...) Oder zählen in diesem Preissegment (um die 10k) nur die inneren Werte, ohne besondere Berücksichtigung des Herstellers?

2. Hat irgendjemand noch mehr Informationen zu FAB, oder Erfahrung mit seinen Instrumenten? (Nur aus Neugier...)

3. Wäre es idiotisch ("Jugendlicher Leichtsinn" trifft's bei mir ja leider nicht mehr so ganz...), im Überschwang der Gefühle einfach zuzuschlagen und darauf zu vertrauen daß es "ein Leben lang" halten wird? ("Wenn's paßt, dann paßt's", und ihre inneren Werte sind auch ohne meine bescheidene und und fehlbare Meinung über jeden Zweifel erhaben; es ist ganz klar, egal wieviel ich übe, qualitativ werde ich sie kaum einholen... ;-) ) 

 

Was ist eure Meinung? (Punkt 3) Kann jemand helfen? (1+2)

 

Guten Morgen, Nuuska

Geige Profilseite von Geige, 25.09.2016, 09:08:40

Aus meiner Sicht steht die Kompatibilität des Instrumentes zum individuellen Spielverhalten an vorrangiger Stelle.
Es gibt objektive Kriterien wie z.B. Tragfähigkeit, Klangfarbe und Anspracheverhalten die mit dem subjektiven Spielverhalten zusammenpassen müssen. Das heißt, wenn sich beim Aussuchen oder besser gesagt Ausprobieren eines Instrumentes beim Spielen eine " Gesanglichkeit" in der Klanggestaltung einstellt, begibt man sich auf den richtigen Weg.


Dass die Wertigkeit der Instrumente den allgemeinen Kunstmarktgesetzen unterliegen macht die Sache jedoch kompliziert.
Die Preise heben sich ab einem bestimmten Segment von den Herstellungskosten weit ab und unterliegen anderen Regularien.
Wenn ich übergreifend aus dem  Gemäldemarkt ein fiktives Beispiel nenne: Ein Bild von Picasso hat Materialkosten von vielleicht 60,-Euro und wurde in  4 Stunden hergestellt. Der "Must have" Faktor treibt den Preis auf 200.000,-Euro.
Subjektiv gesehen kann es sein, das ein Bild von einem unbekannten Maler mit gleichen Materialien hergestellt, einem möglicherweise eher zusagt, jedoch nur ein Bruchteil an Marktwert hat.
Trotzdem muss man sagen: Picasso war ein genialer Künstler mit hohem Wiedererkennungswert......
Die Herstellungszeit einer komplett handgebauten Geige liegt bei etwa 150-250Std. Daraus lässt sich schon einiges ableiten.


Die Ausgangsvoraussetzungen bei einem Instrument sollen dann  so sein, dass das gekaufte Instrument Jahrzente gespielt werden soll, um es anschließend Gewinnbringend zu verkaufen. Bei Blasinstrumenten ist das nicht so. (Schon gar nicht beim Auto....;) Da hat die Geige schon eine Sonderstellung.


Die Albert Fuchstaxe für Streichinstrumente wird international als Richtschnur anerkannt. Auktionsergebnisse können weit darunter liegen. Wenn ich  z.B. die Ergebnisse der Stradivarigeigen durchsehe, finde ich hier durchaus Preise um die 250TSD Euro und auch im zweistelligen Mio Bereich.


Um die individuelle richtige Geige zu finden gehe ich in meiner Werkstatt folgendermaßen vor: Es wird im Vorfelde abgeklärt, bis zu welchem Preis das Budget reicht und dann wird (ohne auf den Preis zu sehen) bis zu dieser Preisgrenze  alles klanglich in Frage kommende ausprobiert. Das ist dann eine objektive Wahl, die sich auf den besten zum Spieler passenden "Klang" ausrichtet und nicht den "Geltungstrieb Handelswert" in den Vordergrund stellt. 
Ein Kunde der gerne auf seinem Instrument spielt ist dann die beste Werbung, auch wenn der erzielte Umsatz vielleicht im Einzelfall nicht der höchste ist. Langfristig gesehen ist es die beste Lösung ;)


Zur FAB Geige: Ich kenne Berufsmusiker, die mit ihren Brückner Instrumenten sehr zufrieden sind.

Grunsätzlich muss jedoch gesagt werden, Eine Geige verkauft sich nicht im finanziellen Notfall von heute auf morgen. Es ist keine Aktie, die auf den Markt geworfen sofort Umsatz bringt.
 

Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 09:55:50

Danke, Geige.

 

Nun, die Sache mit der Budgetüberschreitung war selbstverschuldet - nicht daß mir jemand etwas hätte aufschwatzen wollen... 

Geige Profilseite von Geige, 25.09.2016, 11:10:04

Wer über dem Limit probiert, geht natürlich das Risiko ein, dass Begehrlichkeiten geweckt werden .....

Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 21:23:42

Dacht' ich mir auch. Innerhalb des Limits hat sich halt alles wie ein Kompromiß angefühlt. Und darüber übrigens auch das meiste. Erstaunt hat mich bloß, daß auch Instrumente mit noch erheblich höherem Handelswert FÜR MICH nicht mithalten konnten. Okay, bessere Projektion, solistischere Qualitäten, vielleicht, aber das brauch ich nicht. Dafür fühlt sich die FAB von Anfang an an wie festgewachsen...

minuetto Profilseite von minuetto, 25.09.2016, 11:13:01
Lieber Nuuska,
an Deiner Stelle würde ich die Brückner-Geige nehmen und mich jeden Tag schon beim Öffnen des Geigenkastens freuen, sie wieder spielen zu dürfen (geht mir mit meiner Geige auch nach einigen gemeinsamen Jahren noch so);
  ..... - es sei denn, der bisherige Bogen sei "inkompatibel" mit dieser Geige.
In diesem Fall würde ich (so viel wie möglich) weitersparen/warten (und hoffen, die Geige fände in der Zwischenzeit keinen neuen Besitzer, sei also gewissermaßen für mich "bestimmt"). Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich jedenfalls keine andere Geige suchen.
Gruß, minuetto
Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 21:18:47

Danke, danke, danke. Jetzt fühle ich mich nicht mehr ganz so arg wie ein komplett überdrehter Idiot... :-)

 

Der Bogen gehört sowieso getauscht, weil ich gerade an einem Punkt anlange wo er mich mein derzeitiger (übrigens geliehener) Bogen technisch zu sehr zurückhalten beginnt. Meint jedenfalls die Lehrerin meines Vertrauens. Ein relativ gutmütiges spurtreues Teil, perfekt für den Anfang, im f und ff fängt er jedoch unwiderstehlich an zu eiern, auch für schnelles Staccato ist er zu lahm und weich, und Springbogen... Ich kann ihn also nach der Geige auswählen. Die Lehrerin des Vertrauens meint es gehört etwas ordentliches her, und ich habe wenig Lust mich diesbezüglich vor der Geige festzulegen. Mal sehen. 

 

Die Brückner liegt stabil bei meinem GB im Kasten und wirkt nicht besonders arg umschwärmt. Wirken doch die (tatsächlich wunderschönen) neuen als auch die "wirklich alten" wesentlich prestigiöser... Kann also noch ein wenig darüber schlafen. Und noch ein, zwei Dutzend weiterer (egal welcher Preisklasse) ausprobieren, um wahrscheinlich doch immer wieder zurückzukommen. Und dann bin ich hoffentlich für den Rest meines Daseins glücklich mit ihr... 

asmahan Profilseite von asmahan, 25.09.2016, 21:26:32

Klar, den richtigen Bogen zur Geige zu haben ist essenziell. Aber anderseits hat Nuuska, wenn ich das richtig sehe, erst dieses Jahr mit Spielen begonnen; da läge es meinem Empfinden nach drin, bis auf weiteres auch mit einem nicht hundertprozentig überzeugenden Bogen weiterzumachen - da das Instrument zuhause ausprobiert wurde, gehe ich davon aus, dass das mit dem eigenen Bogen geschah und keine klangliche Katastrophe daraus resultierte. Ein wirklich guter Bogen könnte dann her, wenn die Kriegskasse wieder gefüllt ist und die technischen Ansprüche wachsen.

 

Wenn die Erwählte tatsächlich zum Herzen spricht und obendrein besser gefällt als teurere Instrumente, wurmt es einen doch mit grosser Wahrscheinlichkeit, wenn man sie sausen lässt...

 

asmahan Profilseite von asmahan, 25.09.2016, 21:30:29

Sorry, Nuuska, wir haben wohl gleichzeitig getippt und Du hast etwas früher abgeschossen - jetzt sieht mein Post schon alt aus...

Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 21:49:51

Alles gut :-)

 

Sie wurde mit dem eigenen als auch mit einem vom GB empfohlenen probiert, und noch mit zwei, drei anderen.

 

Angeblich mache ich vernünftige Fortschritte. Wenig verwunderlich, meine Feinmotorik ist hinlänglich vorgeschult, und was Musik im Allgemeinen und das didaktische Erlernen eines Instrumentes im Speziellen angeht darf ich ebenfalls einiges aus einem früheren Leben zehren. Aber ich mache mir auch keine Illusionen - das wird bald nicht mehr "wie von selbst" so weitergehen.

Klar "brauche" ich keine "Profiinstrument", aber es macht halt um so viel mehr Spaß... Und dieses "bin das wirklich ich?!"-Gefühl ist kaum in Geld umzurechnen.

Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 23:42:29

Die Sache mit dem Bogen geht auch eher von meiner Lehrerin aus. Daß der jetzige vielleicht nicht mehr ganz ideal sein könnte merke ich schon, aber ich bin ja immer noch recht feucht hinter den Ohren und suche den Fehler üblicherweise eher bei mir als am Material, wenn's nicht so funzt wie verlangt. Darum fällt es mir auch mangels Kompetenz schwer einzuschätzen, welche Qualitäten ein Bogen mitbringen müßte um mit ihm den als nächstes anstehenden Bogenvoodoo lernen zu können den ich jetzt eben noch nicht drauf habe. Drum verlasse ich mich da wohl besser auf sie. 

 

Ihr lieben, bis jetzt habt ihr mich eher ermutigt "meinem Herzen zu folgen", oder mir zumindest nichts ausgeredet - solange ich mich damit nicht ruiniere. Hm. Hätte ehrlich gesagt eher mit "Deine Sorgen möchte ich haben, lern erstmal spielen!" gerechnet. Danke dafür. Vielleicht hattet ihr selbst eine ähnliche Liebesgeschichte... Jedenfalls ist es schwierig, jemandem der so etwas nicht von vornherein aus sich heraus nachvollziehen kann zu erklären, daß es sich dabei nicht um eine unendliche Schwachsinnigkeit und Mißgeburt einer ausgewachsenen Midlifecrisis handelt. Auch der besten aller Ehefrauen ... ;-)

Nuuska Profilseite von Nuuska, 25.09.2016, 23:49:34

Eigentlich passt der Titel des Threads nicht mehr so ganz. Wenn ich nicht komplett falsch liege findet auch ihr die Frage nach dem "Marktwert" zweitrangig, solange das Gesamtpaket dermaßen stimmt und in mein eigenes Wertgefüge paßt.

Bei der Wahl eines menschlichen Lebenspartners fragt man sich ja auch nicht im Voraus, wie man denjenigen bzw. diejenige möglichst effizient wieder loswird... (Ich denke unter uns Bewohnern der gleichen Nische mag dieser Vergleich gerade noch durchgehen, hm...?)

Flitzebogen Profilseite von Flitzebogen, 05.10.2016, 15:32:38

Hallo,

 

falls die Geige noch nicht gekauft ist, noch ein wenig mehr Senf dazu: Ich würde meinen Vorrednern im Grunde zustimmen, aber: Selbst als Profigeigerin fällt es mir schwer, den Wert bzw. Zustand einer Geige zu beurteilen. Ich kann nur meinen eigenen Standpunkt beurteilen und würde daher immer einen Geigenbauer (und nicht "nur" Geigenlehrer oder Kollegen o.ä.) aufsuchen, der mir sagen kann, ob das Instrument schwer sichtbare Schäden o.ä. hat, die den Wert eindeutig senken. Alles ist reparabel, aber wenn noch x Euro hineingesteckt werden müssen, damit sie im Topzustand ist, solltest du diesen eventuellen Betrag x möglichst vom Kaufpreis abziehen bzw. den Verkäufer mit den Tatsachen konfrontieren.

 

Es ist toll, wenn einem ein Instrument so gut gefällt! Man wird darauf die größten Fortschritte machen, denn man übt mit mehr Freude, was den Lernprozess per se befördert, und man übt schlichtweg mehr. Da man nur ein Leben hat, das es zu erfüllen gilt, würde auch ich den anderen darin zustimmen, hier das Herz entscheiden zu lassen. Trotzdem sehe ich auch hier ein "Aber": Wenn du wirklich noch nicht so lange spielst, kannst du jetzt noch nicht wissen, wohin dich dein Weg führen wird und was für Ansprüche du später einmal haben wirst. In welchen Ensembles du einmal spielen wirst, was die Geige dir leisten soll. Es ist also gut möglich, dass es jetzt die richtige Geige ist und du in einigen Jahren doch noch einmal neu auf die Suche gehst. Und genau dann wirst du dankbar sein, wenn du jetzt nicht den Preis für ein tadelloses Instrument bezahlst, das in Wirklichkeit einen blöden Riss irgendwo hat oder so ähnlich.

 

LG, Flitzebogen

Nuuska Profilseite von Nuuska, 05.10.2016, 17:15:44

Liebe Flitzebogen,

 

Danke für Deine Meinung, und genauso sehe ich das auch. Auch wenn ich mir keine allzu großen Sorgen um meine solistische Karriere mehr mache mit meinen 40 Lenzen... Aber trotzdem können sich die Bedürfnisse ändern, und je spezieller das Instrument, desto schwieriger ist es später auch wieder loszuwerden. 

Abgesehen von den (wahrscheinlichen) Brandflecken ist das Instrument gesund.

Ich habe inzwischen auch ein paar Faktoren abseits des Klanges dingfest gemacht die "anders" sind als bei den Geigen die ich bis jetzt kenne. Griffbrett und Steg fallen in Richtung E-Saite überraschend stark ab, der Steg wird auf dieser Seite deutlich niedriger, die Saitenlage passt aber nach wie vor (aufs Griffbrett bezogen). Dadurch ist das Greifen für meine (relativ kleine, aber zum Geigen objektiv völlig ausreichende) Hand wesentlich leichter. Dafür muß man mit dem Bogen recht weit in den C-Bogen hinein. Es gibt jedenfalls lautere Geigen (durch die zumindest einseitig geringere Stehhöhe?) aber solistischen Wumms suche ich eh nicht unbedingt, und sie ist sehr schön modulationsfähig. Die Ansprache ist sehr leicht - inwieweit hat das mit den Saiten zu tun, und inwieweit mit dem Instrument? (Es sind soweit ich erkennen kann die Vision Titanium Solo, die ich vorher nicht kannte und die laut Thomastik-Infeld "wegen ihres großen Volumens und des fokussierten, Klaren und puristischen Klanges" gepriesen werden - was auch immer das heißen mag, sie geben mit dieser Geige eine sehr charmante Kombi.) Sie ist nicht selbstspielend, aber es ist zumindest momentan vieles einfach so viel leichter darauf...

 

Wie ausgefranst und eigenbrötlerisch klingt das jetzt? Oder ist das einfach eines von mehreren eher gängigen Setups? Ach ja. Sie hat viele Jahre einem Profimusiker (Geigenprof.) gehört, wie ich inzwischen weiß. Sollte also eigentlich einiges passen dran...

Flitzebogen Profilseite von Flitzebogen, 05.10.2016, 22:50:43

Ein paar Äußerlichkeiten sind kein substanzieller Schaden. Wenn keine Risse drin sind, dann klingt das doch sehr gut! Der Steg ist klanglich zwar höchst relevant, andrerseits aber auch ein auswechselbares Teil. Wenn dessen Krümmung stärker ist als bei anderen Geigen, so hat der letzte Geigenbauer wohl gemeint, dass es klanglich so der Optimalfall sein muss. Das kann auch irgendwann einmal anders werden, ist jedenfalls für sich genommen nichts Besorgnis Erregendes, soweit ich weiß, auch nicht für zukünftige Käufer.

 

Gute Saiten haben eine angenehme Ansprache. Aber wenn die Geige nicht in Ordnung ist oder einfach zu beschränkt, nützen die besten Saiten nichts, und sie spricht dennoch nicht gut an.Kann man also guten Gewissens auf die Geige schieben. :-)

 

Freu dich und spare lieber an belangloserer Selle im Leben, wenn es viel Geld ist. Der Vergleich zu Autos tut immer gut, finde ich. Die sind genauso teuer, aber verlieren schlagartig ihren Wert, sobald man beginnt, sie zu benutzen. :-)

 

LG, Flitzebogen

Nuuska Profilseite von Nuuska, 06.10.2016, 20:25:17

... oder einfach nur zum ersten Mal eine Nummerntafel ansteckt. Jawohl, diesen Vergleich bemühe ich der besten aller Ehefrauen gegenüber auch immer - bislang mit mittelmäßigem Erfolg ;-)

 

Die Stegkrümmung muß an die Krümmung des Griffbrettes angepaßt werden, erklärt mein Geigenbauer. Klingt auch irgendwie logisch, sonst hätte man ja eine variierende Saitenlage. Er hat ihn selbst angepaßt, und er ist ziemlich gut, also paßt der Steg und ich glaub ihm das. Und das Griffbrett machen viele GBs halt ein wenig unterschiedlich. In diesem Fall ist es nicht "gerade", sondern zur e-Saite hin geneigt. 

Ach ja, sie kann schon auch laut wenn man sich ordentlich in die Saiten schmeißt. Auch in großen Räumen. Klar es gibt projektionsstärkere. Macht nix, zu echter Hochform läuft sie für mich im Piano auf, und ich werde sicher nicht in die Verlegenheit kommen, die ganz großen Häuser füllen zu müssen, und gegen die Wiener Philharmoniker muß ich mich auch nicht solistisch durchsetzen. Hab sie mir nochmal geholt und jetzt mal mit stinknormalen Dominant ausprobiert, die ich schon zur Genüge von anderen Instrumenten her kenne. Du hast völlig recht - nach wie vor federleichte Ansprache, und auch der Klang ist immer noch toll!

 

Ich glaube da muß jetzt einfach mal jemand seinen Mut zusammennehmen... Und so oft verliebt man sich ja auch nicht... Vielen Dank, Du hast mir sehr weitergeholfen!

 

Schönen Abend, Nuuska

Nuuska Profilseite von Nuuska, 06.10.2016, 21:07:59

Und viel Glück mit der Cellosuche!

Nuuska Profilseite von Nuuska, 06.10.2016, 21:21:28

@ Geige: Leider bin ich technisch noch ziemlich im Stimmbruch ;-) Aber "Gesanglichkeit" trifft das Gefühl schon ganz gut! Na dann laß ich meinen Gefühlen mal freien Lauf, hm? Bleibt nur noch das Bogenthema. 

 

In diesem Sinne, Glück auf und danke euch allen, Nuuska

Nuuska Profilseite von Nuuska, 16.10.2017, 01:04:49

Update - ein Jahr danach...

 

Ich habe es also wirklich getan. Und es im ganzen letzten Jahr kein einziges Mal bereut! Finanzielles Risiko bin ich nur bedingt eingegangen, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Die FAB-Geige ist recht dominant aggressiv eingestellt und schon alleine daher nicht ganz einfach zu zähmen für einen immer noch alles andere als virtuos agierenden Spieler wie mich. Die gute aber brave Schülergeige meines Juniors verzeiht sehr viel mehr. Aber der Spaßfaktor wenn's mal klappt ist weder mit Worten zu beschreiben noch mit Geld aufzuwiegen - in diesem Forum traue ich's mir sagen... Und didaktisch bilde ich mir auch ein daß sie mich rasch weiterbringt, da sie mir jede kleinste Unsauberkeit beinhart unter die Nase schmiert. Ein dickes Fell und eine hohe Frustrationsschwelle braucht man halt für sowas. Manchmal, vor allem bei niedriger Luftfeuchtigkeit, denke ich über ein wenig wärmere Saiten als die Vision solo titanium mit Kaplan Gold-E nach die gewohnheitsmäßig aufgezogen sind, aber dann lege ich den Koffer ins wenig beheizte Schlafzimmer und packe den Stretto Befeuchter mit hinein, und zwei Tage später bin ich schon wieder glücklich!

 

Das Bogenthema ist eine Lachnummer für sich. Nachdem ich (in ein oder zwei anderen Threads hier) jede Menge inkompetenter Cerebralonanie betrieben habe und einen etwas über dem Budget gelegenen hübschen Franzosen immer noch nicht ganz vergessen habe, aber sonst schlicht nichts finden konnte was sowohl mir als auch meiner Geige gefiel, bin erstmal mit meinem Freund und Urlaubszahnarzt auf ein Bier gegangen um meinen Bogenkummer und seinen Frauenfrust gleich in einem hinunterzuspülen. Das Ergebnis war, daß sein Cousin Stimmführer der 2. Geige in einem kleineren Profiorchester ist und gerade dabei war, seine überschüssigen Gerätschaften abzustoßen. So bin ich also um recht günstige €450,- an einen tatsächlich mehr als ordentlichen Silberbogen gekommen. Drei Wochen später hat ihn mir mein Junior abgeluchst, erst für die Vorbereitung einer Aufführung, dann für die Aufführung selbst, und schließlich per Augenaufschlag und Gewohnheitsrecht. Jetzt spiele ich auf einem Stück mutmaßlich Markneukirchner Brennholz, das ich wegen der hübschen Intarsie um €60 am Flohmarkt erstanden habe. Mein Freund und GB hat mir gezeigt wie man das halbverrottete Ding wieder einigermaßen spielfertig macht. Ich habe also meine erste Silberwicklung gewickelt, mein erstes Daumenleder zugeschnitten und meine erste Behaarung aufgezogen und war stolz wie Bolle. Gottlob war mein GB so nett, die Stange selber nachzubiegen, sonst wäre die ganze Arbeit wohl umsomst gewesen...  ;-)

Jedenfalls, der Bogen hat einen angenehm warmen Klang der die direkte Art der Geige ein wenig ausgleicht ohne ihr die Power zu nehmen, eine inzwischen recht aparte Optik, ist gut ausbalanciert und fühlt sich wesentlich leichter an als er tatsächlich ist (63g), kann sogar einigermaßen springen - und wackelt wie ein Lämmerschweif! An den teilkastrierten Frosch mußte ich mich auch erst gewöhnen. Ich sehe ihn als Teil der pädagogischen Herausforderung an: was ich mit DIESEM Bogen auf MEINER Geige zusammenbringe ohne daß jemand Ohrenkrebs bekommt, das schaffe ich wahrscheinlich mit beinahe jeder anderen Kombo... Die Drittelregel habe ich jedenfalls unterboten, die Investition in den Bogen belief sich auf weniger als 1% des Anschaffungspreises der Geige. Und irgendwie funktioniert's, wenn auch das Thema sicher noch nicht abgeschlossen ist.

Und manchmal nehme ich Urlaub mit dem hübschen "neuen" Bogen meines Sohnes :-)

 

Alles in allem, ich freue mich jeden Tag auf's Nachhausekommen, auf die Brücknergeige und sogar ein wenig auf meinen verrückten Bogen... Vielen Dank an alle die mich letztes Jahr ermutigt und bestärkt haben!

Nuuska Profilseite von Nuuska, 17.05.2018, 00:34:31

Update - eineinhalb Jahre später...

 

Was hat sich getan? Wechsel auf Obligato G-D-A, bringt ein wenig mehr Wärme. Nach dutzenden Umwegen ist die E wieder die Kaplan spiral gold medium. Etliche schöne Geigen durfte ich inzwischen probieren - unter anderem eine Schleske, eine Burgess, eine Rocca, eine Bergonzi und sogar eine Maggini. Mein (nichtmusikalischer) Beruf bringt mich eben viel unter Leute... Aber das alles weckt absolut keine Begehrlichkeiten in mir, meine FAB und ich, wir sind immer noch wie Arsch und Hose. Sieht so aus als würden wir zusammenbleiben...

 

Technisch gesehen beherrschen wir inzwischen sämtliche grundlegenden Stricharten und arbeiten an den "fortgeschritteneren". Wir sind stabil bis in die 6. Lage unterwegs, bei schnellen Passagen ist die Intonation jedoch noch recht ausbaufähig. Das Bogenthema hat sich immer noch nicht endgültig erledigt, auch wenn inzwischen einige recht unterschiedliche (und teilweise ein wenig merkwürdige) Bögen den Weg in unsere Wohnung gefunden haben. Wahrscheinlich wird doch mal eine ordentliche Investition fallig und ich muß mich ernsthaft ein oder zwei Preisklassen höher umsehen.

 

Die einzigen Schwächen die ich bislang finden konnte sind auf der G in den hohen Lagen (jenseits der 6.), und die hohe Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit. Wenn ich sie ausreichend feucht halte ist sie aber brav und genau die richtige Mischung aus Klarheit, Wärme und Brillanz. Aber... kann es sein das man die E wirklich alle 2 Monate tauschen muß?so viel spiele ich doch gar nicht...! Mit frischer Saite spielt sie bis ganz oben, nicht erstklassig aber doch solide, aber nach 8-10 Wochen wird hoch oben die Ansprache grottigst, wahrend in den tiefen Lagen (1-4) noch kein Unterschied zu merken ist. Nun kostet eine E-Saite kein Haus, aber es ist echt nervig, gefühlt alle paar Tage schon wieder eine einspielen zu müssen! (Aber das hat ja mit der Geige nichts zu tun...)

Der Klang hat sich nach ihrer Erweckung aus einer langen Schaffenspause deutlich weiterentwickelt und ist voller und noch kräftiger geworden - auch wenn es blos ich bin der auf ihr herumnudelt... Kürzlich hatte ich sie zur Probe im Konzertsaal der lokalen Musikuniversität dabei - in meiner Funktion als aushilfsweiser Lückenfüller in der 2. Geige  eines Laienorchester, mit dem ich mit Mühe gerade mal eben so mithalte. Vor der Probe habe ich die Geige herausgeholt um mit meinem Freund und derzeitigen Lehrer die Probe aufs Exempel zu machen, in einem ausreichend großen Raum. Und habe doch etliche große Nasenlöcher geerntet.

 

Alles in allem bin ich immer noch wahnsinnig froh mir damals den Ruck gegeben zu haben. Danke an alle die mich trotz meiner Unerfahrenheit in meinem Bauchgefühl bestärkt haben. Jeden Tag eine neue Liebeserklärung!

Neuester Beitrag Nuuska Profilseite von Nuuska, 17.05.2018, 00:43:34

Ach ja... Und sollte jemand zufällig eine FAB-Bratsche übrig haben - ich komme gerne auf Kaffee und Kuchen vorbei um sie mir anzusehen!  bye

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