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Geige ohne Lehrer... unmöglich?

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RheinRuhr Profilseite von RheinRuhr, 16.01.2014, 18:21:46

Die Beiträge sind sehr spannend & informativ. Ich hätte gar nicht gedacht, so etwas hier auszulösen. Bis jetzt wird alles auch sehr fair geführt, was mich freut. Es gibt zwei Lager... und man reibt sich >>> was genau der Sinn eines Forums oder einer Diskussion ist. Diese Reibungswärme beeinflusst Denken & Wahrnehmung meines Gehirns. Die Erfahrungen anderer Forenmitglieder bringt mich weiter, lässt mich nachdenken, mein Handeln überprüfen, in Frage stellen. wink_smile

Ich sehe die "Trennungslinie" zwischen Autodidakten (AD grins*) und Lehrerschülern auch nicht klar gezogen. Eher schwimmend gelagert. Der ein oder andere Autodidakt probiert irgendwann mal Unterricht aus >>> und bleibt dabei oder nicht. Der ein oder andere Schüler hat irgendwann keine Lust mehr auf die vorgegebenen Lehrinhalte einer anderen Person (Lehrer)... und macht alleine weiter.

Spannend sind all eure Geschichten und Erfahrungen. Danke für die netten und hilfreichen Beiträge und Tipps. Hochinteressant für mich. Als blutigen Anfänger. Genau diese Vielschichtigkeit beeindruckt mich absolut !!! xyxthumbs

 

 

Dowina Profilseite von Dowina, 16.01.2014, 19:00:09

hallo!

bei mir ist es so, wie oben gerade erwähnt. ich lerne geige mit einem freund, der eben mein lehrer ist. ich wollte eigentlich nie geige lernen, mochte das instrument nicht einmal sonderlich, aber wie es der zufall oder das schicksal so wollte, lerne ich jetzt geige und bin sogar in dieses instrument vernarrt. mein musikalische vorbildung ist solide. ich spiele seit dem 8. Lebensjahr altflöte und spiele sie jetzt noch, weil ich trotz passion zur geige, die finger nicht von meiner ersten liebe lassen kann, aber sie steht jetzt hinter dem geigenspiel. flöten unterricht habe ich fast 8 jahre gehabt, musiktheorie habe ich im gymnasium mit musikschwerpunkt gelernt und gitarre spiele ich mit freunden in einer hobby-rockband, ab und zu. achja, ich bin 36 jahre alt. zur flöte kann ich nichts sagen, weil ich von anfang an immer unterricht gehabt habe und auch als jugendlicher knapp ein jahr in einem flötenconsort war, aber ich glaube, dass man sich die flöte recht gut selbst beibringen kann. das gilt meiner meinung nach auch für die gitarre.  jedes lied, welches mit akkorden begleitet wird, ist relativ leicht zu spielen. man kann auch so leicht und autodidaktisch nach tabs spielen. was zwingend nötig ist, ist rhytmus gefühl, das muss man in sich tragen und das kann weder ein lehrer beibringen noch man sich selbst, wenn man nicht rythmus in sich trägt. aber, die gitarre auf einem anderen niveau, klassische gitarre, womöglich mit latinoeinflüssen, auch laute usw.  da wird es wieder eng.

und jetzt zur geige. ich persönlich glaube, dass man die geige nicht so einfach selbst lernt. auch im folkbereich, irland, südamerika, balkan, wo begnadete geiger sind, die jeden zweiten orchestergeiger bei uns in den schatten stellen, hat es seit generationen lehrer gegeben. da hat man eben vom vater, großvater, vom freund, vom onkel, vom wirt im irish pub techniken gelernt.  ich verfluche oft dieses instrument, weil es einfach im vergleich zur flöte oder gitarre, auch zum klavier, so schwer zu erlernen ist. bei der geige trennt sich der spreu vom weizen, wiederum wird mein gitarrenspiel stetig besser, je mehr geige ich spiele. man kann sicher das geigenspiel selbst lernen, aber man muss die fähigkeit haben, mit diesem instrument eins zu werden, was wohl nicht jeder kann und sich im klaren sein, dass einem früher grenzen gesetzt sind und nicht über ein gewisses stadium herauskommen.

 ich neige manchmal dazu mir zu denken, "wow, hab ich das jetzt gut im griff", oder "das geht ja schon richtig gut", aber bei der nächsten lehrstunde, hagelt es wieder, "e zu tief, a zu hoch, vibrato mit zuviel handgelenk, mehr armeinsatz, bogenstrich selbstbewusster machen, brust raus, ..." das alles merke ich allein zu hause nicht. bei flöte und gitarre gibt es auch wichtige technikaspekte, aber die sind nichts gegen das geigenspiel.

selbst bekannte autodidakten wie yehudi menuhin oder stephane grappelli, für mich die größten geiger aller zeiten, haben irgendwann einmal ihr können auch akademisch feinschleifen müssen. das gilt am stärksten, wenn man vom geigenspiel leben will. zu hause und zum spaß, da ist es doch egal, wie gut man ist und wie weit man kommt. wem muss man etwas beweisen und jeder steckt halt seine messlatte. wenn einer keinen lehrer braucht, auch egal, sofern er mit seiner leistung zufrieden ist. wenn sie / er es nicht ist, geht er / sie ohnehin zu einem lehrer oder er  / sie gibt das geigenspiel auf, wie meistens der fall. mein geigen lehrer sagt, dass die geige bzw. fast alle streichinstrumente die höchste abbrecherrate hat. ein bekannter von mir bringt sich cello selbst bei. mit so großem erfolg, dass ein cellist von den philharmonikern gemeint hat, dass ihn der neid frisst. natürlich wird mein bekannter nie ein profimusiker, aber das was er von selbst gerlernt hat, ist beeindruckend.

viel erfolg und am wichtigsten SPASS bei der sache!

 

 

Bavarica Profilseite von Bavarica, 16.01.2014, 20:55:47

selbst bekannte autodidakten wie yehudi menuhin

Kleine Anmerkung: Menuhin hatte seinen ersten Geigenunterricht mit fünf Jahren (manchmal heißt es mit vier Jahren) bei Sigmund Anker und wurde drei Jahre später Schüler von Louis Persinger, seinerseits Schüler von Ysaye. Später studierte er bei Adolf Busch und George Enescu. Das soll die Leistungen erfolgreicher Autodidakten / Selbstlerner nicht schmälern, aber Menuhin gehörte nicht dazu.

Dowina Profilseite von Dowina, 16.01.2014, 19:24:44

@ RheinRuhr: noch ein nachtrag zu meinem vorherigen beitrag. für den fall, dass du dir die geige selbst beibringt, ein tipp. vergiss die ganzen tipp & tricks im internet bezüglich aufkleber am steg anbringen, irgendwelche sonstigen orientierungshilfen oder sogar optische bünde zu machen. lerne von anfang an nach dem gehör zu spielen. am besten alles im dunklen oder mit verbundenen augen. erst einmal das gefühl des bogenzuges auf den leersaiten zu spüren. wenn du dann im nächsten schritt die tonleitern spielst, probier es ebenso im dunklen oder ohne auf das griffbrett zu sehen. dadurch erleichterst du den muskeln den merkeffekt! mach auch nicht den fehler gleich lieder zu spielen. lieder spielen ist toll, aber es bringt die technisch nicht so weiter, wie tonleitern und co. auch tonleiterübungen, terzspiel, dipping the bow (nachgooglen) kann so gut oder besser, peppiger als irgendein bekanntes lied klingen. viel spaß!

Bea Profilseite von Bea, 16.01.2014, 21:30:42

Für einen absoluten Anfänger sind Tonleitern nichts, weil man da gleich mehrere Griffarten benutzen muss. Gerade Liedchen sind da besser. Zumal bei bekannten man die Töne eigentlich gleich richtig trifft. Da ist das doflein-Lehrwerk gar nicht mal so schlecht für, man hat trotzdem nach ein paar Seiten alle Griffarten drauf - im Unterschied zu anderen Schulen, in denen man z.T. über 3 Bände mit erfundenen Liedchen in den jeweilig erlernten Griffarten bleibt. Und Doflein macht auch schönes leere Saiten streichen, dass man auch tunlichst befolgen sollte. Aber Anweisungen gibt es da nicht!

Aber gegen Klebchen u. so bin ich auch. Genauso wie gegen gebasteltes Tunnelstreichen für den angeblich so geraden Strich. Keiner streicht am Ende klinisch gerade, denn die Kunst ist ja gerade immer den besten Kontaktpunkt im idealen Winkel zur Tonerzeugung in Abhängigkeit von Tonhöhe, Tonstärke, und beabsichtigten Tonfarbe zu erzeugen. Deshalb viel leere Saiten streichen und hören wie sich der Klang ändert! Der Rumexperimentierer lernt schnell, was man tunlichst lassen sollte!

Und im Dunkeln streichen für jemanden der noch unsicher die Geige hält - da kann man lieber auf die NOten schauen und ab und zu was man denn da so mit dem Bogen anstellt, auf die Finger zu schauen kommt man normalerweise nicht, da der Bogen schon genug Aufmerksamkeit erfordert! Man kann zum Ertasten der Melodie auch erst mal nur zupfen.

eniloiv Profilseite von eniloiv, 16.01.2014, 21:00:32

Na bitte, der thread ist ja ganz gut in Gang gekommen..... Ein bischen auf den Busch geklopft und

schon springen die Häschen übers Land!3

Hallo Peerceval, ich kann beim besten Willen keinen "Rückzieher" meinerseits erkennen.Du müsstest Dir schon die Mühe machen mir das Unterfangen zu erläutern, andernfalls ist es mir nicht möglich auf Dich einzugehen.Deine erneute Polemik ist dünn und unangemessen, passt in die Zeit wo man seine Weltsicht noch mit Degen oder Pistole erläutert hat. Mein Eindruck ist der das Du mich nicht verstehen willst(wohl weil ich Dir gewaltig quer gekommen bin).
Dennoch scheinen wir im großen ganzen,-zumindest aus meiner Sicht, ja doch konsenzfähig zu sein.

Möglicherweise lieg es an mir und meiner Schreibe, nicht so recht verstanden zu werden!
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen:
Es dreht sich in meinem Beitrag eben nicht um die möglichst effiziente Erlangung verschiedener

Fertigkeiten(so schnell wie möglich alles können, Erfolg haben etc.), sondern vielmehr um die

Verwirklichung des persönlichen Impulses, wodrin die Leistungsideale derer die mit Musik ihr Geld

verdienen wollen, oder müssen, keine, oder eine lediglich untergeordnete Rolle spielen.Die langläufige

Instrumentalisierung der Musik als gesellschaftliche Leistungsschau ist nicht Gegenstand meiner

Erörterungen, bzw.wurde in einigen Sätzen durchaus "gewürdigt" (nicht zuletzt auch um damit meinen

Standpunkt davon abzugrenzen).
Um ein klärendes Beispiel meiner Haltung zu geben: Der kluge AD ist aufmerksam und spürt wenn er

beginnt sich beim streichen zu verkrampfen. Er hält inne, entspannt sich, überprüft seine Haltung und überlegt wie er es anders angehen könnte. Hat er einen neuen Gedanken gefasst,so probiert er diesenaus.So addieren sich die Erfahrungen und Schlussfolgerungen und ein Lerneffekt tritt ein. Was gibt esdaran herumzumeckern?
Der nicht AD stellt lediglich fest das es nicht klappt, weiß sich nicht zu helfen, und klagt bei dernächsten Stunde dem Lehrer sein Leid. Dies ist auch nötig, sonst kommt er nicht weiter.
Der Lehrer ist dann gezwungen (wenn er es denn ernst meint mit seiner Lehrtätigkeit)all seineErfahrung für die Beobachtung seines Schützlings einzusetzen, um zu erkennen woran es hapert, und mussdann die adequate Form finden seine "Weisheit" dem Schüler "beizubiegen",- möglichst ohne den selbenzu demotivieren.Sein Erfolg ist in diesem Falle auch der Erfolg seines Schützlings.
Also, jenachdem wie der Mensch beschaffen ist, ist die eine oder die andere Herangehensweise die

richtige,-OK?
Wie ein anderer Forenteilnehmer schon bemerkte, ist ein Wandel der Herangehensweise nicht

ausgeschlossen und spricht für die Daseinsberechtigung aller zur Verfügung stehenden Mittel.
Mein Unmuth gegen den akademischen Lehrerbetrieb rührt aus dem Umstand her, immer wieder erfahren oder beobachtet zu haben,dassbehauptet wurde, man könne dieses oder jenes auf gar keinen Fall so und so machen , ohneLehrer gehts garnicht,- man gewöhnt sich dieses oder das falsch an(eine andere Forenstimme) und amEnde fällt einem die Hand ab,- so ganz ohne Lehrer! Das Gegenteil ist der Fall wenn man nicht verlernt hat sich seiner angeborenen Mittel zu bedienen.Hat man es "verlernt bekommen", benötigt man eineLehrer.
Und noch was anderes:

Was ist den mit den vielen leidenden Musikern, die sich trotz professioneller Anleitung und

Unterweisung im Dienst oder auf dem Weg zum Ruhm die Gesundheit ruiniert haben? Was ist denn mit den

vielen die speziell in der Pupertät die Fiedelei samt Lehrer an den Nagel hängen weil es

verheißungsvolleres zu erleben gibt als das Hamsterrad der fortwährenden Trietzerei durch einen Lehrer

und dessen Ansprüche?
Ich möchte lediglich in der Wüste der Lehrer und Sachverständigen, der EXPERTEN und Besserwisser eine Oase für die Naiven,für die denen man schon fast den Schneid abgekauft hat eine Ermunterung zur Tat geben.

ziehen,- Für die, die bereit sind etwas auszuprobieren ohne gleich in irgendwelche ZWANGSJACKEN von Bedenken, Ideologien undTraditionen gesteckt zu werden.
Schließlich gibt es einen musikalischen Impetus jenseits von "Deutschland sucht den Superstar oder

ähnliche Veranstaltungen verschiedener Stilrichtungen(wer ist der schnellste Guitarist?).
Ich bleibe dabei,- neues oder anderes wird durch andersmachen,durch Fehler und Experimente ermöglicht,

alles andere dient dem reproduzieren von bereits erdachtem.
Schönen Tag noch!n
 

Bea Profilseite von Bea, 16.01.2014, 21:40:47

@Rheinruhr

Wie lief denn nun die erste "Katzenmusiksitzung". Oder bist du noch mit Einkolofonieren beschäftigt?

Der hier ist übrigens ganz niedlich beim Erklären zum Einstieg:

http://www.youtube.com/watch?v=jlJ-NWMkNdo

Aranton Profilseite von Aranton, 16.01.2014, 22:02:10

Ich kann dieses Hohelied auf den Autodidakten nicht so recht nachvollziehen. Zumindest haben jene Autodidakten, die ich bisher kennen gelernt habe, den Satz: "Ich habe mir das selber beigebracht und bin richtig gut", beim Vorführen ihrer Fähigkeiten bisher noch immer Lügen gestraft. Der Autodidakt läuft immer Gefahr sich an der vermeintlichen Genialität selbst drauf gekommen zu sein, zu berauschen und die eigenen Fähigkeiten massiv zu überschätzen. Es mag Gegenbeispiele geben, aber von den stolzen Autodidakten, mit denen ich bisher zu tun hatte, war nicht einer so gut, wie er glaubte.

Die Geige ist ganz objektiv ein schwieriges Musikinstrument. Die Spieltechnik wurde jahrhundertelang immer weiter entwickelt und verbessert. Es ist weder eine Zwangsjacke, noch ein Gefängnis, noch ein Sich verbiegen, auf Erfahrungen, die andere vor einem gemacht haben, zurück zu greifen. Und zu glauben, eine Einzelperson könne mit ungelenktem Rumexperimentieren, den über Jahrhunderte von tausenden Geigenspielern angesammelten Erfahrungsschatz einholen oder gar überbieten, finde ich unglaublich überheblich.

Aber natürlich ist das nur meine bescheidene Meinungen. Jeder muss selbst entscheiden, wie er ans Geigespielen herangehen will. Da kann man ja (anders als z.B. beim Autofahren) niemanden schaden, aber wenn Autodidakten versuchen, mit Leuten zu spielen, die es richtig gelernt haben, dürfte das für die Beteiligten nur selten eine wirklich angenehme Erfahrung sein.

EisRose Profilseite von EisRose, 16.01.2014, 22:57:57

Guten Abend :),

um letztendlich auf RheinRuhr's 1. Beitrag zurück zu kommen  würde ich sagen, dass er selbst so lernen soll, wie es ihm Spaß macht und wie er voran kommt. Es kommt immer drauf an, was man mit seinem Instrument erreichen will oder auch nicht! Einige - darunter auch ich - haben kurz geschildert, was evtl. bei der Selbstschulung gut oder auch schlecht laufen kann. Dass man etwas gut oder schlecht ist - dazu braucht man natürlich immer einen Maßstab warum etwas nicht so ist oder genau so ist, wie man sich es vorstellt.

Wenn man sich vornimmt, weit vorn im Orchester zu spielen, hat man natürlich seine Vorgaben, Richtlinien und Vieles mehr. Möchte man aber eher privat spielen und kreative Tanz- und Freestyle Einlagen vollziehen mit der Violine (allein oder in der Gruppe), juckt kein Mensch die "richtige Bogenhaltung"^^

Sowohl die "strenge/vorgezeigte" Spielart als auch die "lockere/spontane/kreative" Spielart ist toll. Ich versteh leider nicht, wieso Leute sich hier in Foren bekämpfen, was nun besser sei und wie man es zu machen hat ;)

Viele Grüße, EisRose

 

Bavarica Profilseite von Bavarica, 17.01.2014, 07:59:23

Wir alle beschäftigen uns täglich mit der wunderbarster Musik, sie ist fester Bestandteil unseres Lebens. Das ist ein Geschenk. Wieso hinterlässt das so wenig Spuren, dass man fast schon fanatisch gegen selbst errichtete Feindbilder anbellen muss - von Zwangsjacken ist da die Rede, von Verbiegen und von Gefängnis -, dass die Welt nur schwarz und weiß gesehen wird - auf der einen Seite die genialen Freigeister, auf der anderen Seite die dumpfen Zöglinge, zu keinerlei Selbstreflexion willens und in der Lage? Wieso muss man wiederum mit Polemik auf Polemik antworten?

Noch mal: Wir alle hören und machen Musik, jeder auf seine Weise. Irgendwie wäre es schön, wenn sich das irgendwie im Miteinander widerspiegeln würde. Wie kann ich Mozart und Beethoven (Jazz, Folk etc.) spielen und gleichzeitig polemische Kämpfe um das Geigenlernen führen? Ich habe keine Lust auf diese Diskussion, verabschiede mich aus diesem Thread und wünsche RheinRuhr weiterhin gutes Gelingen und gute Fortschritte bei seinem Vorhaben.

Merlin Profilseite von Merlin, 17.01.2014, 09:16:36

Kürzlich traf ich einen Autodidakten, der nur zum Spaß, ohne musikalische Vorbildung, den Ton genießen wollte. Er übte schon eine Weile ganz zufrieden so für sich allein. Soweit so gut. Der Bogen war nicht gespannt, die Stütze verkehrtherum, dort ließ sich mit sehr einfachen Tipps der "Ton" recht fix verbessern ;)

 

Bea Profilseite von Bea, 17.01.2014, 11:28:37

Also ich bin Selbstlerner. spiele  inzwischen auf mittlerem Niveau klassische Geige, kann alle klassischen Techniken, sicher noch verfeinerbar, und fühle mich überhaupt nicht als irgendein extra Genie oder im Gefängnis der Klassik. Im Gegenteil, das Spielen von anspruchsvollem Bach, Wienawski, Shostakovich, Dvorak, Kreisler macht Spaß und ist durchaus kein enger Rahmen, sondern interpretierbare Musik..

Wenn viele Selbstlerner sich überschätzen und scheitern, heißt dies nicht, das es unmöglich ist. Im Übrigen ist der Durchschnitt der mit Lehrer lernenden auch nicht auf höchsten Niveau - das erreichen nur wenige!

Ich finde es auch schade, dass hier verschiedene Wege gegeneinander ausgespielt werden, oder gar Selbstlernende sich einer Beweislast unterziehen müssen. Gescheites Austauschen über Probleme des Geigespielens kann doch nur geschehen, wenn man die Materie auch praktisch durchschaut. Und wenn es nur wenige erfolgreiche Selbstlerner gibt, so liegt es daran, dass es nur wenige versuchen - und von denen auch noch ein hoher naiver Prozentsatz, die sich keine Vorstellung von der Komplexität und den Anforderungen machen konnten.

Aber den Umkehrschluss, die wahre Kreativität läge nur bei dem  autodidaktischen Genie, der alles selbst nochmal neu erfindet, bei gleichzeitigem herablassendem Auslassen über Orchestermusiker - ohne die es Verwirklichung von fantastischer Musik eines Beethoven z.B. oder aller über alles geliebten Filmmusiken - die fast immer in der Tradition von klassischer Musik mit großem Orchester mit eventuell Soloinstrumenten- nicht gäbe - ist ja wohl abstrus zu bezeichnen.

Abschließend an Rheinruhr, wer schon andere Instrumente spielt - richtig spielt, nicht nur drei akkorde- weiß um die aufzubringende Disziplin und Leidenschaft ein neues Instrument zu erlernen, dies wird ihm auch kein Lehrer abnehmen. Der richtig gewählte Lehrer könnte einen schneller voranbringen, aber mit den heutigen MItteln ist es kein unmögliches Unterfangen mehr, etwas sich selbst richtig zu erarbeiten.

Das Schüler von Lehrern immer alles richtig machen, sei ja auch dahingestellt. Trotz Lehrer muss z.B. das Vibrato letztendlich selbst entwickelt werden, den letzten Dreh muss jeder ob mit oder ohne Lehrer selbst herausfinden! In dem Sinne fröhliches Lernen!xyxthumbs

RheinRuhr Profilseite von RheinRuhr, 17.01.2014, 11:29:52

Guten Morgen bye

ich finde, dass beide "Lager" den besten Umgang in Toleranz üben. Jede Seite hat ihre Vorzüge >>> und irgendwo in der Mitte ist die goldene Brücke. Der Autodidakt findet seine Passion darin, ein Abenteuer ohne Lehrer zu starten, was bei ersten Erfolgen, die dann vielleicht sogar in kleinen Schritten ihre Fortsetzung finden, eine enorme Motivation + Droge sein können.

Der Schüler sucht Rat und Hilfe, um es von Anfang an möglichst fehlerfrei zu gestalten. Natürlich ist der "Lernweg" meist durch den Lehrer vorgegeben, was auf Dauer die Motivation senken kann. Andererseits ist dies auch ein guter und richtiger Weg, wenn man eben der "Typ" ist, der keine Zeit & Lust hat, sich seine Fehler auf Youtube / Foren / Blogs autodidaktisch abzugewöhnen.

Beide Arten, an diesen hohlen Holzkasten mit einer pferdehaarbespannten Holzlatte heranzugehen, haben ihre völlige Berechtigung und Logik. smiley_bier

eniloiv:

Du schreibst faszinierend. Deine Art, mit Worten umzugehen, haut mich echt vom (Gitarren) Sattel. Darf ich neugierigerweise fragen, woher Du diese Kunst beherrscht? Ich denke es ist in Deinem Beruf verankert. Da ziehe ich echt den Hut. Auch habe ich noch niemals Worte gelesen, die die Seele eines Autodidakten so klar deuten. Hut ab. Das Du natürlich mit Deiner witzigen Polemik auf Gegenpolemik stösst, war vorauszusehen. Und ist ja auch ganz spannend für die Mitglieder, die Kommentare beider Seiten zu lesen. Man spürt auch, dass der ein oder andere durch Deine Worte gekränkt oder verletzt wurde. Natürlich verstehe ich das auch, würde selbst aber eher locker bleiben >>> das ist hier ein gemeinsames Hobby, dass uns verbindet >>> egal ob Autodidakt oder Schüler >>> es soll ja Freude bereiten. avatar

Gestern habe ich zum ersten mal den Bogen geführt. Wow macht das Spaß !!!! Der "Sound" einer Geige ist schon geil. Ich liebe ja meine E-Gitarre, Metal, Rock der 70er und Blues / Jazz (Bonamassa). Natürlich bin ich mit der Geige auf Klassik begrenzt (meist), aber ich liebe eben auch Klassik. Und dieses durchdringende "Sägen" einer Geige hat schon was. Das hat mich eh schon immer fasziniert. Immer, wenn ich z.B. in der Deutschen Oper am Rhein einer Aufführung der Duisburger Symphoniker lausche. Ein Hochgenuss.

Heute lese ich die ersten Seiten meines Schulbuchs (Doflein Band 1), und versuche dann, die ersten Töne der Tonleiter zu sägen. Ich hoffe meine Katze verkraftet das. Grins* Ich denke mit meiner 999€-Geige von Emanuel Wilfer (paganino.de) und dem 169€ Bogen von Dörfner bin ich vom Equipment brauchbar ausgestattet. Gestern Abend habe ich die Geige zum ersten Mal gestimmt >>> nach einer Anleitung aus dem Internet >>> war sehr spannend. Bei der E-Saite dachte ich dann erst... uih ich komme nicht weiter. Aber dann las ich, dass man die hauptsächlich mit dem Feinstimmer stimmt. Gewöhnungsbedürftig im Gegensat zur E-Gitarre ist auch, dass man diese Seitenwirbel fest reinstecken muss, sonst dreht sich alles wieder zurück und die Saite ist locker. Naja ist sicher Übungssache...

RheinRuhr Profilseite von RheinRuhr, 17.01.2014, 11:37:28

Vielleicht hat der eine oder die andere Lust & Muße, mir ein paar Fragen zu beantworten? xyxthumbs

1.) Wie oft muss man den Bogen kolophonieren? Täglich, wöchentlich?

2.) Wie lange halten Gaigensaiten?

3.) Nach wieviel Monaten muss man einen Bogen neu bespannen lassen? Ist das teuer?

4.) Gibt es empfehlenswerte Erwachsenenschulen??? Das Lehrbuch Doflein ist ganz gut. Fast alle anderen sind für Kleinkinder geschrieben. Das motiviert einen Erwachsenen natürlich nicht. Habt ihr da Tipps oder Links zu interessanten Büchern für Anfänger?

5.) Bei Gitarre + Klavier (lerne beides autodidaktisch) habe ich Schulen mit Begleit-CD. Das sit sehr praktisch, da kann man sich dann akustisch testen. Gibt es so was auch für Geige (Anfänger)?

6.) Ich bin aus dem westlichen Ruhrgebiet >>> gibt es vielleicht den einen oder die andere, die mal Lust auf ein privates Treffen haben. Zum Musizieren und Kennenlernen?

Herzlichen Dank für eure nette Hilfe... m

Stefan

Merlin Profilseite von Merlin, 17.01.2014, 12:07:44

Hallo Rheinruhr,

zu deinen ersten drei Fragen: Das hängt davon ab, wieviel du spielst.

Den Bogen kolophonierst du, wenn du das Gefühl hast, dass er "seifig" wird, also nicht mehr genug Grip hat. Das ist aber auch ein wenig Geschmackssache. Ich spiele jeden Tag ca. 1 Stunde oder auch mal 2, und ich kolophoniere vielleicht einmal in 1-2 Wochen nach.

Geigensaiten halten je nachdem wieviel du spielst, welche Saiten du hast, wie sehr deine Finger schwitzen und wie du die Saiten pflegst (Hände vor dem Spielen waschen, Saiten abwischen) mehrere Monate bis über ein Jahr. Wenn sich die Umwicklung löst, die Saiten stark anlaufen, die Quinten nicht mehr rein zu bekommen sind, ist es mal Zeit, sie zu wechseln. Wenn du das tust, wechsele nicht alle auf einmal, es ist möglich, dass dir dann der Stimmstock und der Steg umfallen. Der Steg ist nicht an der Geige angeklebt, er steht nur lose darauf. Wenn du eine neue Saite aufziehst und spannst, achte darauf, dass der Steg hinterher schön gerade steht, der wird nach vorn gezogen, neigt sich, und kann brechen oder umkippen. Man muss ihm mit Fingerspitzengefühl aufrichten, aber nicht aus seiner Position verschieben. Auch ist darauf zu achten, dass eventuelle Feinstimmer am Saitenhalter nicht auf der Decke kratzen, wenn man Saiten abnimmt.

Den Bogen solltest du neu bespannen lassen, wenn sehr viele Haare fehlen (oder viele Haare auf einer Seite, sodass die Stange sich krumm zieht). Das kostet nach meinem letzten Stand so um die 50 €.

Zu den letzten Fragen kann ich dir leider nicht weiterhelfen, aber ich meine, die kamen schon mal, frag doch mal Tante Google :)

Beste Grüße aus dem südlichsten Eck von Deutschland.

Cahra Profilseite von Cahra, 17.01.2014, 12:12:50

Hallo!

Ich bin erwachsener Anfänger (mit Lehrer) und ich verwende das Buch "Der junge Geiger". Auch wenn der Titel andere Rüchschlüsse zu läßt, finde ich das Buch nicht "kindermäßig" sondern auch für Erwachsene gut geeignet. Da es aber ursprünglich ein russisches Lehrwerk ist, sind (zumindest mir) viele Stücke unbekannt, wohingegen ich die typischen hier geläufigen Stücke alle kenne.

Da mußt du für dich entscheiden, inwieweit dich das stört oder beim Selberlernen behindert.

Dowina Profilseite von Dowina, 17.01.2014, 13:47:51

"Zitat RheinRuhr: !!!! Der "Sound" einer Geige ist schon geil. Ich liebe ja meine E-Gitarre, Metal, Rock der 70er und Blues / Jazz (Bonamassa). Natürlich bin ich mit der Geige auf Klassik begrenzt (meist), aber ich liebe eben auch Klassik."

 

Toll, dass dich deine ersten Versuche so freuen, weiter so! Deine Aussage oben aber stimmt gar nicht. Neben Bach, dessen Musik ich verehre,  liebe auch Metal, Rock, Folk, Jazz und Popularmusik und da passt die Geige bestens (siehe Apocalyptica mit ihren Celli, David Garret mit Metal oder die extrem schnelle und fetzige Fiedelmusik vom Balkan oder Irland). Die Geige eignet sich extrem für experimentelle Musik und ganz wichtig, als Begleitinstrument. Ein tolles Buch, wenn du einmal das Basiswissen hast, ist diese Ausgabe mit Begleit CD und tollen Aussagen des Autors, die speziell dich betreffen könnten: http://www.amazon.de/Das-grosse-Fiddle-Buch-Inkl-CD/dp/3802402707

 

Alles Gute weiterhin!

 

Izzy Profilseite von Izzy, 17.01.2014, 16:29:19

David Garret ist KEIN Metal!!! Never, nie und nimmer!!!!!!!

 

Wenn wir von Metal mit Geige sprechen würde ich mal folgende Bands zum antesten Empfehlen:

- Subway to Sally (Folk, Mittelalter Metal)

- Schandmaul (Folk, Folkrock, Folkmetal)

- Skyklad (irisch, walisisch angehauchter Powermetal)

- My Dying Bride (Doom Metal)

 

Und aus dem Genre Indypendent bzw Rock:

- Fiddlers Green

- Inchtabokatables

 

Bei Mehrbedarf einfach fragen... ;)

Bea Profilseite von Bea, 17.01.2014, 16:23:49

http://forum.geigen-forum.de/forum.php?a ... ;instanz=0&search_kat_id=7

Anschaffen solltest du dir BAsics von Fischer, und ein deutschsprachiges älteres Lehrwerk von Schloder - schaue in obigen Thread, da steht mehr dazu. Im Übrigen findest zu allen deinen bisher gestellten Fragen bereits Information an Board, wenn du obige Rubriken anklickst.

In folgendem Link findest du viele Werke vorgestellt:

http://forum.geigen-forum.de/forum.php?a ... ;instanz=0&search_kat_id=7

RheinRuhr Profilseite von RheinRuhr, 17.01.2014, 19:19:04

Danke die "Basics von Fischer" kann ich mir ja parallel zur Doflein-Schule nachbestellen. Was ich halt gerne hätte wäre eine Schule mit Begleit-CD. Gibt es ja bei Gitarren milliardenfach. i

Bea Profilseite von Bea, 17.01.2014, 19:40:33

http://www.amazon.de/Violine-f%C3%BCr-Du ... tharine-Rapoport/dp/352770468X

Das Lehrwerk kenne selber nicht, ist aber recht ansprechend und mit CD-

Dowina Profilseite von Dowina, 17.01.2014, 20:24:53

@ Izzy: Hab auch nie behauptet, dass David Garrett ein Vertreter der Metal Richtung ist. Seine Interpretation von Metal Klassikern wie z.B Master of Puppets ist nicht übel und zeigt, dass derartige Musik auf einer Geige sehr gut klingen kann.

eniloiv Profilseite von eniloiv, 17.01.2014, 20:33:17


Hallo Aranton,

mir war nicht daran gelegen ein hohes Lied auf Autodidakten zu singen, sondern vielmehrdarauf hinzuweisen das es sich bei den ensprechenden Kandidaten um eine besondere, persönlicheVeranlagung handelt.Noch einmal zum mitschreiben: SIE (ich nenne sie fortan die echten Autodidakten),KÖNNEN NICHT ANDERS!!!!!
Der pure Umstand ein AD zu sein ist kein Garant für irgendwas wie "Können", oder "besser sein als

andere" oder dergleichen.Mit Genialität( im Sinne von "echt toller Typ" )  hat es auch nix zu tun,-gar

nix!!!!!!
Typen die sich was darauf einbilden "es sich selbst gemacht zu haben",und anderen damit auf den Wecker gehen, weil sie sich einbilden etwas besseres oder besonderes zu sein,  sind schlicht arme Würstchen die ansonsten wenig auf der Plusseite zu verzeichnen haben.

Natürlich ist es angezeigt auch mit diesen nachsichtig und nicht allzu ruppig umzugehen..........

Abgesehen davon wird der Begriff "Genial" sowieso reichlich überstrapaziert, hier im Forum und

anderswo auch!
Was Deinen Satz zur "unglaublichen Überheblichkeit angeht: Den von tausenden Geigenspielern

angesammelten Erfahrungsschatz durch Anweisungen eines Lehres übernehmen zu können, halt ich für schlicht überheblich(besser: unmöglich):
Es ist vielmehr der unermüdliche, von Konzentration wie auch von Muße begleiteter, langjähriger

Übungsprozess der die sowohl motorischen wie geistigen Verfeinerungen ermöglicht die auch unseren werten Vorläufern zugeschrieben werden.

Ein Lehrer ist bestenfalls dazu in der Lage die dafür nötigen Grundlagen zu vermitteln.Den "Rest" muss man sich schon selbst erarbeiten.
Zu deinem letzten Satz kann ich nur sagen das es für viele Menschen schlicht egal ist ob du mit oder

ohne Lehrer geigst,- sie können es ohnehin nicht leiden.

Nix für ungut!bassist

RheinRuhr Profilseite von RheinRuhr, 18.01.2014, 13:01:10

Die Serie "XXX für Dummis" habe ich auch schon mal gehabt. Recht witzig erklärt... nicht so trocken. Die Motivation wird da gehalten. Geht natürlich nicht in die Tiefe. Aber das muss es am Anfang ja auch nicht. Gut ist, dass eine CD mit Klangbeispielen dabei ist. Für einen Autodidakten eine große Hilfe. Ein bischen "Vergleich", wie es denn optimal klingen sollte, kann nicht schaden. wink_smile

+++ Violine für Dummis

+++ Basics von Fischer

+++ Das große Fiddle Buch

+++ Schloder

 

mal sehen was da neben meiner "Doflein-Schule" noch sinnvoll sein könnte. musicband

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Ibuki aus Bielefeld stellt sich vor <Zurück zur Liste> Kleine Lackarbeiten

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