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Wie verbinde ich Noten flüssig? (Bogentechnik)

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Zugeordnete Kategorien: Spieltechnik - Unterricht

Noseshine Profilseite von Noseshine, 10.06.2018, 14:23:24
Wie verbinde ich Noten flüssig? (Bogentechnik)

Seit JAHREN probiere ich es, und obwohl meine neue Lehrerin (seit 6 Wochen) es mire gerade erst zeigte, stehe ich schon wieder da wie der Ochse.

Gibt es irgendwo eine genaue(!) Anleitung, am besten mit LANGSAMEM Demo, was ich da mit der rechten Hand und dem Arm genau machen muss, damit ich fließende statt "eckiger" Übergänge zwischen zwei (langsamen, also max. Viertelnote)  habe?

Ich habe es ja gerade erst vor zwei Tagen gesehen - und trotzdem nichts gemerkt oder kapiert. Ich weiß einfach nicht wirklich, was ich da tun soll. Ich sehe einfach nur, bei ihr klappt es, bei mir nicht. Was der Unterschied ist, was ich machen soll, keine Ahnung, trotz der live Demo 1/2 Meter vor meinen Augen. Ich dachte (wie schon so fot vorher), ich bekomme das schon hin, sah ja einfach aus. Nichts ist, ich kapiere nichts.

Leuten im Video zuschauen bringt auch nichts, das geht viel zu schnell, ich sehe nicht, was die genau machen. Ich kann mich bemühen wie ich will, ich bekomme nur knallahrte Übergänge von NOte zu Note hin, von Wiecheit keine Spur - im Diagramm wären das lauter Rechtecke statt sanfter Wellen: Note endet, Millisekunden Pause, neue Note beginnt (jetzt mit Bogen in die andere Richtung gehend).

Madita Profilseite von Madita, 10.06.2018, 20:13:26

Hallo Noseshine,

 

ich kann dein Problem total gut nachvollziehen, bei mir war das lange Zeit genauso!

Trotz zahlloser Übungen und Demonstrationen im Unterricht schien ich in dieser Hinsicht keine Fortschritte zu machen, obwohl ich anderweitig gut vorankam. Es blieb immer dieser "abgehackte Anfängerklang".

Wie meine Lehrerin mir immer sagte, liegt das Geheimnis in den lockeren, flexiblen Finger, bzw. dem lockeren Handgelenk. Außerdem sollte der Bogen gekantet gespielt werden, nicht mit allen Haaren "platt" aufliegend (so wie ich das immer gemacht hatte).

Was mir dann sehr geholfen hat in dieser Hinsicht, war dieses Video:

https://www.youtube.com/watch?v=NjWlyjLZWTo

 

Habe das brav und geduldig geübt, erst zum Video, dann mit Geige vor dem Spiegel, mehrere Tage lang immer wieder.

Schon nach einer knappen Woche stellte ich sehr deutliche Verbesserung fest und meine Lehrerin war sehr angetan von meinen Fortschritten in der darauffolgenden Stunde.

 

Außerdem könnte evtl. dieses ältere Thema passend sein:

http://forum.geigen-forum.de/forum-0-9600-0_sanfter-Strichwechsel

 

Ich hoffe, ich konnte dir damit ein wenig weiterhelfen.

Noseshine Profilseite von Noseshine, 10.06.2018, 20:20:44

Vielen Dank, das Video sieht interessant aus, das werde ich auch mal üben!

 

Ich fühle mich ja eigentlich schon ziemlich gut (nach all der Zeit sollte das auch sein), deswegen nervt es mich ja jetzt auch. Wenn ich insgesamt noch größere Probleme mit dem Bogen hätte, dann würde ich mir ja sagen, dass das schon wird, ich hab's ja jetzt nur genau deswegen satt, weil eigentlich schon vieles flüssig läuft.

peerceval Profilseite von peerceval, 23.06.2018, 13:14:10

Dieses 'Problem' und seine Lösung zu verstehen, ist extrem wichtig. Allerdings kann man es sehr sehr einfach lernen (in das Körpergedächtnis kriegen), wenn man folfgende Schritte wirklich durchgeht (Aufwand: 30 min + Einkaufszeit im Baumarkt):

  • Besorg Dir einen breiten Malerpinsel (keinen runden, mit rundem Stiel, sondern einen breiten mit abgeflachtem Stiel). Er sollte unbenutzt sein, auf jeden Fall sauber und mit noch sehr weichen Borsten.
  • Fass den Pinsel jetzt mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand so, dass Dein Daumen auf der einen flachen Stielseite aufliegt und dass der Pinsel selbst mit anderen flachen Seite auf dem gerundeten Zeigefinger aufliegt: Also exakt so, wie Du einen solchen Pinsel natürlicherweise greifen und benutzen würdest. Ganz bequem und locker. Die restlichen Finger folgen der Form des Zeigefingers - sie bilder zusammen eine kleine rohrförmige Höhle.
  • Stell Dich jetzt vor einen niedrigen Tisch oder einen etwas höheren Hocker und lass Deinen re. Arm mit der Hand und dem Pinsel ganz locker darüber hängen. Dein Arm wird eine ganz leichte Beuge haben, Dein Handgelenk wird ganz leicht nach rechts abgeknickt sein, sodass der Pinsel senkrecht zur Tisch-/Hockerplatte weist, der Daumen zeigt nach links.
  • Jetzt tu so, also streichst Du den Tisch / Hocker, nach links, nach rechts, nach links usw. - ganz natürlich, wie Du das mit echter Farbe beim echten Streichen auch tun würdest.
  • Du wirst feststellen, dass bei einem Strich nach links der linke Außenpunkt Deines Handgelenkes vorangeht und dass der Pinsel und die Finger/Hand hinterherziehen.
  • Du wirst auch feststellen, dass bei einem Strich nach rechts der rechte Außenpunkt Deines Handgelenkes vorangeht dass der Pinsel und die Fingen/Hand wieder hinterherziehen.
  • Und Du wirst feststellen [und das ist der Witz der Sache], dass bei einem Wechsel des Striches von links nach rechts zuerst der Außenpunkt Deines Handgelenkes die Richtung wechselt, während Hand und Finger noch einen kleinen Moment in die alte Richtung streichen, bevor sie [Überraschung] ganz weich selbst die Richtung wechseln. Auf der anderen Seite passiert es entsprechend umgekehrt.
  • Dreh jetzt das Handgelenk um 45. Grad nach links. Wiederhole das Streichen mit dem Pinsel in dieser Position.
  • Du wirst erstens feststellen, dass das sich Streichen mit einem Pinsel in dieser Haltung doof anfühlt. Das ist jetzt egal.
  • Zweitens wirst Du feststellen, dass vom Gefühl her nicht mehr der re. bzw. li Außenpunkt Deines Handgelenkes vorangeht und den Wechsel einleitet, sodern bei einem Strich nach links der Punkt in der Mitte der Oberseite Deines Handgelenkes und bei einem Strich nach rechts der mittlere Punkt auf der Unterseite Deines Handlegenkes.
  • Leg jetzt den Pinsel weg, nimm Deinen Bogen mit der rechten Hand, halte ihn in der normalen Bogenhaltung (nur dass eben Dein Arm wieder senkrecht hängt) waagerecht parallel zur Tisch-/Hockerkante vor Dir über dem Tisch/Hocker, drehe das Handgelenk wieder leicht nach links ein und führe genau die gleiche Pinselstreichbewegung wie eben aus. Lass die Finger sich genauso elastisch mitziehen wie eben. Fühle, wie der Handgelenksmittelpunkt vorangeht, lass die Hand und die Finger von ihm ziehen, fühle, wie der Punkt den Wechsel einleitet und wie die Hand und Finger noch leicht weitergleiten, bevor sie der neuen Richtung folgen.

BINGO. Dasselbe machst Du jetzt auf Deiner Geige: Bogen greifen, auf die Seite legen, Handgelenk leicht eindrehen, Handgelenksmittelpunkt vorangehen lassen, den Rest weich nachkommen lassen.

herzlichst P.

PS.: Meiner Erfahrung nach gibt es keine Abkürzung: man muss das wirklich mal mit einem Pinsel so gemacht, gesehen und gefühlt haben. Dann geht der Transfer auf die Geige einfach. Ohne es gemacht, gesehen und gefühlt zu haben, klappt es es nicht.

Noseshine Profilseite von Noseshine, 23.06.2018, 14:57:35

Ich glaube, du solltest mal ein Video machen :-) Ich werde es später nochmal lesen. Oder auch noch öfter. Mein Opa war Maler und ich habe oft mitgemacht, wenn er zu Hause was machte (was oft der Fall war), ich habe also zumindest schonmal ordentlich Pinsel-Erfahrung :-)

peerceval Profilseite von peerceval, 25.06.2018, 08:32:17

...

"Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum."

Habe mich jetzt berichtig und die geänderten Stellen 'blau' markiert. Sorry.

Außerdem ganz wichtig: Die Grundidee stammt NICHT von mir. Ich habe sie aus der uralt-Videoreihe 'Hören, Sehen, Verstehen' von Prof. Lieb entnommen und systematisiert weiterentwickelt. Sie ist auf Youtube komplett erreichbar. Sorry für das späte Bekenntnis, ich hatte die Quelle nicht mehr parat und hab sie das Wochenende über erst suchen müssen.

Gruß P.

Neuester Beitrag Noseshine Profilseite von Noseshine, 26.06.2018, 21:15:12

Vielen Dank für den Video-Link!

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