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Fragen zum Bogen

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Fiedelanna Profilseite von Fiedelanna, 28.02.2018, 21:53:58
Fragen zum Bogen

TheBi

Hallo zusammen. Ich bin aktuell ziemlich unzufrieden mit meinem Bogen. Irgendwie ist das alles zu weich, zu unpräzise. Vieles liegt bestimmt auch an mir, da ich noch nicht so lange wieder spiele. Trotzdem hätte ich im Moment gerne einfach einen zumindest brauchbaren Bogen. Ich habe dazu 2 Optionen:

    1. Einen neuen Bogen kaufen. Allerdings habe ich nach mehrfachem austesten bei Freunden und Verwandten festgestellt, das ich einfach keine Carbonbögen mag, auch wenn sie sich schön spielen lassen. Das klingt einfach zu kalt für mich. Selbst den Arcus von meinem Bruder mochte ich vom Ton her gar nicht, da klingt mein aktueller besser. Nur das hamdling ist natürlich toller. Das heisst aber das ich wohl etwas mehr Geld ausgeben müsste. Lohnt es sich einen ”teuren” (ich denke bestimmt 600€ aufwärts) zu kaufen, wenn man seine Bedürnisse höchstens mit “aktuell ist blöd” beschreiben kann?

      2. Meinen aktuellen Bogen behalten und eventuell verbessern?! Ich spiele momentan mit dem Schülerbogen meines Bruders. Der hat 1996 mal 500 DM gekostet, silbermontiert, oktogonale Stange. Vor 4 Jahren hat mein Bruder ihn dann mal neu behaaren lassen. Er meinte danach das ihm der Geigenbauer den Bogen ausgetauscht haben muss, da er sich einfach nicht mehr so spielt wie vorher. Ich kann es mir aber eigentlich nicht vorstellen, das ein kleiner Kuhdorf Geigenbauer gerade zuuuufällig einen mit dem gleichen Stempel an der Stange (p.r. leblang) rumfliegen hat und sowas macht. Passiert sowas wirklich? Hat jemand von euch sowas schonmal gehöhrt? Ich gehe eigentlich eher davon aus, das er die neue behaarung schlecht ausgeführt hat und vielleicht auch die Stange beschädigt hat.  Jedenfalls war mein davor immer zufrieden. Ich bin bis jetzt immer davon ausgegangen, das wenn ein Bogen hin ist, er nicht zu retten ist. Jetzt habe ich aber gelesen das die Stange durchaus bearbeitet werden kann. Stimmt das? Und hat da jemand schonmal positive Erfahrungen gemacht und kann mir sagen was sowas etwa kostet? Das er nach 4 jahren auch bei wenig gespielt werden mal neue Haare gebrauchen könnte ist klar. Ich frage mich jetzt nur ob “eventuell kann der Bogenbauer da ja noch was machen” überhaubt ne realistische idee ist, oder ob ich gar nicht erst hinfahren muss. Das man das alles aus der Ferne nicht wirklich beurteilen kann ist mir klar. Aber vielleicht hat ja jemand hilfreiche Gedanken zu meinen Problemchen :) 

 

 

 

Fiddletroll Profilseite von Fiddletroll, 01.03.2018, 08:51:48

Hallo Fiedelanna,

 

die Bogenwahl ist sehr individuell, kopflastig, ausgewogen, froschlastig, weich, hart, leicht, schwer - ob Holz oder Carbon ist da gar nicht mal so wichtig. Was Dir helfen wird ist ausprobieren. In der Regel geben dir Geigen- oder Bogenbauer gerne eine kleine Auswahl von Bögen mit, so dass Du daheim in Ruhe testen kannst. Manche Bögen entwickeln auch erst nach einer gewissen Spielzeit ihre positiven Seiten, zumindest für mich habe ich festgestellt, dass ich einen Bogen nicht innerhalb weniger Minuten in seinen Eigenschaften erschließen kann. Ich habe über Jahrzehnte den selben Bogen gespielt, mein Lehrer hat mich überzeugt, einen anderen Bogen auszuprobieren und ich empfand das über Wochen als Rückschritt. Bis ich dann den alten Bogen wieder in die Hand nahm. Der war zwar nach wie vor sehr vertraut, hat sich dann aber als üble Wabbelstange erwiesen. Es ist jetzt mein Ersatz-Ersatzbogen...

 

Falls Du in Norddeuschland lebst - der Herr Krussig in Ibbenbüren kann Dir bezüglich des vorhandenen Bogens sicherlich weiterhelfen, ein extrem erfahrener Bogenbauer, der auch von vielen Geigenbauern beautragt wird. Natürlich kann man Bögen reparieren, oft zumindest. Und die Behaarung ist für die Spieleigenschaften sehr wichtig, wenn da schlechte Haare mäßig aufgezogen werden, dann kann auch der tollste Bogen nur noch mittelmäßig klingen...

Fiedelanna Profilseite von Fiedelanna, 01.03.2018, 19:51:40

Hi Fiddletroll (super Name!!)

Danke für Deine Antwort. Dann würdest du auch sagen das den alten Bogen mal untersuchen lassen sich lohnen könnte? Ich wohne leider im lausigen Rhein-Main Gebiet :( kennt da zufällig jemand wen und kann eine Empfehlung aussprechen? Dann könnte ich im besten fall den alten herrichten lassen und selbst wenn er mir dann nicht gefällt noch verkaufen. 

Schweizerin Profilseite von Schweizerin, 04.03.2018, 22:42:11

Hallo Fiedelanna

es kann  tatsächlich mal vorkommen, dass nach einer Neubehaarung Probleme, die nie da waren, auftreten können.

Ich erlebte das auch mal, die Spannung war nicht optimal, jeder Bogen ist halt verschieden, bei mir waren auch die Haare zu lang, der Druck zu gering. Ich brachte ihn sofort dem Geigenbauer zurück und er korrigieret es aus, es war immer noch nicht optimal, aber besser. Beim nächsten Mal neu Behaaren war es wieder ok!

Ich würde das schon als erste Option abklären lassen.

 

Ich habe zum Glück nun meine Bogenodysse hinter mir :-). Ich spielte jahrelang mit einem über 100 Jährigen, superteuren Bogen, wunderbar im Gewicht , Reaktion und Klang passt wunderschön zur Geige, liegt gut in der Had und sieht zudem auch  schön aus, elegante runde Stange  ...Schildpattfrosch, Fischbeinumwicklung....

nun...2x schon hat sich die Stange seitlich verbogen und konnten immer entweder beim neu Behaaren etwas gerade gezogen werden oder vom Bogenbauer 2 x mit Dampf  wieder in Form gebracht werden. 

Ich habe umgerechnet so etwa 100 Euro  bezahlt für die "Dampfbehandlung" ohne die neuen Haare gerechnet...nach 4 Jahren war die 2. Behandlung wieder nötig...also für den teuren Bogen und für mich war das überaus lohnenswert.

Damit ich ihn aber nun noch schonen und erhalten kann, habe ich mich nach einem Ersatz umgesehen. Kein Bogen hat mich überzeugt und ich konnte auch nicht gerade  einen 5stelligen Betrag ausgeben...so Einer hätte mir und der Geige gepasst.

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich schlussendlich bei einem Carbonbogen "lande".  Coda Bow diamond und ein  Arcus S6 standen dann nach vielen Probierstunden in der engen Auswahl. Der Arcus ist es nun geworden. Seit einem Jahr ist es täglich im Einsatz. Ich staune jedes Mal, wie leicht er sich führen lässt, wie präzise und schnell er reagiert, wie er in der Spur bleibt und auch wie man modulieren kann.  Alles gelingt sehr leicht und der Klang ist klar und ausgeglichen. Er klingt immer gleich ob es warm oder kalt ist ....die Preisleistung finde ich auch sehr gerecht.

Ich habe 5 verschiedene Modelle ausprobiert. Viele haben nicht zur Geige gepasst... der Klang ist je nach Modell sehr verschieden. Man wählt seinen "Wunschklang" ...warm, weich, hell....und tatsächlich hört man das. Auch die Stange, ob eckig oder rund macht etwas aus. Nicht jeder solche Bogen liegt gleich in der Hand .

Mein Holzbogen ist rund, die Stange beim  Arcus ist eckig... man muss offen sein, die Auswahl zu treffen.

Nimm dir Zeit, eine Entscheidung zu treffen und versuche möglichst viele Bogen in die Hand zu nehmen und gehe unvorhereingenommen auf Vorschläge  ein.

Gute Entscheidung und viel Glück.

Grüsse aus der Schweiz

 

Nuuska Profilseite von Nuuska, 05.03.2018, 00:29:47

 

also ich denke auch Du solltest Deinen Bogen erstmal anschauen lassen. Viele ordentliche Geigenbauer behaaren nicht nur, sondern können das auch. Und können z. B. beurteilen ob die richtige Menge Haare in passender Qualität und Verteilung korrekt aufgezogen wurden. Sollte das nicht zum gewünschten Ergebnis führen - eine gute Option kann auch sein, nach einem privaten Verkäufer Ausschau zu halten. Ich habe so schon zwei recht gute Bögen von namhaften Herstellern um recht gutes Geld bekommen (€ 350 aus einem Nachlass bzw. 450 von einem anderen Musiker), für den günstigeren wurde mir inzwischen von einem professionellen Orchestermusiker beinahe das vierfache geboten... Aber ich will ihn nicht entbehren... Wer schon mal als Privatperson einen Bogen verkaufen wollte weiß wie langwierig und mühsam das sein kann. Darum oft das vergleichsweise Schnäppchen. Nur eine Möglichkeit von vielen.... Und möglichst viele Bögen ausprobieren bevor Du Dich entscheidest, damit Du siehst was es überhaupt gibt. Und wenn Du die Chance hast, dann ruhig auch ein wenig über Deinen finanziellen Möglichkeiten mit ein paar richtig guten Bögen. Damit Du besser weißt nach welchen Qualitäten Du Ausschau halten willst.
Fiedelanna Profilseite von Fiedelanna, 09.03.2018, 14:55:57

Etwas Spät aber danke eich beiden für den lieben input. Ich werde jetzt meinen aktuellen Bogen mal gerade biegen lassen und neue haare drauf und dann werde ich ganz in Ruhenach einem neuen Bogen suchen. :) 

Stehgeiger Profilseite von Stehgeiger, 14.03.2018, 15:01:50

Hallo Fiedelanna!

 

Den Effekt den Du in deinem Beitrag unter 2. beschreibst kenne ich aus eigener Erfahrung. Wenn die Bogenstange bei gespanntem Bogen sich nicht nach einer Seite verzieht (prüfe das indem Du vom Beinchen aus über die Oberseite der Bogenstange zur Spitze peilst), dann ist das Haarbüschel des neuen Bezugs einfach zu üppig gewählt worden. Enthält der Bezug zuviel Haare, dann erscheint die Bogenstange zu weich und der Bogen klingt "dumpf".
Im Forum haben wir dieses Thema in folgendem Thread ausführlich diskutiert:

 

http://forum.geigen-forum.de/forum-0-10147-244_E-Saite-reloaded

 

(ziemlich weit unten im Thread!). Nuuska hat dort auch sehr anschaulich beschrieben wie man das Problem behebt und wie dramatisch sich die Eigenschaften des Bogens dann verändern.
Wenn der Geigenbauer es beim Neubezug eines Bogens zu gut meint und dem Haarbüschel ein paar Haare mehr gönnt, dann können das je nach Bogenstange schnell ein paar Haare zuviel sein.
Wenn mein Verdacht zutrifft, dann kannst Du das Problem selbst lösen indem Du gleichmäßig über die Breite des Bezugs verteilt auf der Innenseite des Bezugs um die 8 - 10 Haare vorsichtig herausschneidest und dann den Bogen probierst. Achte dabei besonders auf die Veränderung der Eigenschaften die Dir zuletzt negativ aufgefallen sind. Diese Prozedur dann solange wiederholen, bis der Bogen seinen früheren  Charakter wieder erreicht hat.
Da Du den Bogen ohnehin neu bespannen lassen willst, kannst Du bei diesem Projekt nur gewinnen. Bevor Du den Bogen zum Neubezug an den Geigenbauer gibst, zähl die Haare nach und sag ihm wieviel Haare der neue Bezug haben soll.
Ich wünsche Dir viel Erfolg! Wenn das Experiment gelingt, dann wäre eine Rückmeldung hier für andere Nutzer mit dem selben Problem sehr nett.

 

Ich wünsche Dir und allen Mitlesern noch einen schönen Tag!
 

Fiedelanna Profilseite von Fiedelanna, 14.03.2018, 18:49:17

Wahnsinn! Das ist ja super interessant, ich werds ausrobieren und auch weiterhin berichten. Ich hab momentan super viel zu tun, daher wird das alles noch etwas dauern (bin froh wenn ich regelmäßig zum üben komme) aber über ostern wird das projekt bogen angegangen. Vielen Dank für deinen Hinweis Stehgeiger :) 

Fiddletroll Profilseite von Fiddletroll, 22.03.2018, 12:10:51

Und ich muss mich hier noch kurz korrigieren, Bogenbauer Krussig hat seine Werkstatt in Isernhagen, nördlich Hannover.

Fiedelanna Profilseite von Fiedelanna, 22.03.2018, 15:41:59

 

Kleines Update von mir:

 

Die Stange ist definitv leicht verbogen. Habe das mal wie Stehgeiger beschrieben hat getestet und auch anderen nochmal anderen gezeigt und ich bilde es mir nicht ein: die Spitze knickt ganz leicht nach links ab. Soviel erstmal dazu.


Zu der zu großzügigen Behaarung: Ich habe es ausprobiert! Und siehe da: ca. 20 haare sind gefallen und er spielt sich schon viel, viel besser. Bin total baff. Eigentlich ist es ja total logisch das wenn zu viele Haare drauf sind die Kraft des Bogens nicht mehr ausreicht, aber der Effekt ist tatsächlich verblüffend. Ich habe dabei aber auch festgestellt das die Behaarung echt mies sein muss. Wenn ich auf der Innenseite rechts unten ein Haar abschniede und es an der Spitze aussen links loskommt ist das doch Chaos pur, oder versteh ich da was falsch?

Ich gehe davon aus das ich wahrscheinlich sogar noch mehr haare abschneiden kann, aber ich bemerkte keine spürbare Verbesserung mehr nach dem ca. 15. haar von daher lass ich es jetzt erstmal so und bringe das ding nach Ostern zum Geigenbauer. Mal sehen was der da noch gerade biegen kann und wenn er meint das klappt kommen neue Haare drauf. Ich werde ihm die Erfahrungen bis jetzt schildern, so dass er das bei der (hoffentlich) neu behaarung berücksichtigen kann. Auf jedenfall nochmal tausend (!!) Dank für die lieben Beiträge und besonders an Stehgeiger für den Tip. Ich werde euch auch weiterhin auf dem Laufenden halten :)

@Fiddletroll, hmm da wohnt mein Bruder relativ in der Gegend. Vielleicht ist es also doch mal einen Ausflug wert :)


 

 

Neuester Beitrag Stehgeiger Profilseite von Stehgeiger, 25.03.2018, 17:50:19

Hallo Fiedelanne,
vielen Dank für Deine Rückmeldung. Es freut mich, wenn mein Vorschlag weitergeholfen hat.

Die Haare der Bogenbespannung sollten überwiegend parallel liegen, so wie Herr Geigenbaumeister Adam in seinem Beitrag in diesem Thread
http://forum.geigen-forum.de/forum-0-10720-16 ... erte-des-Kolophoniums-erkennen
geschrieben hat. Sich überkreuzende Haare können bei gespanntem Bogen zu einer einseitigen Zugbelastung der Bogenstange führen die wiederum für das seitliche Verziehen der Bogenstange verantwortlich ist. Prüfe nach ob die seitliche Krümmung der Bogenstange auch bei entspanntem Bogen bestehen bleibt. Wenn nicht, dann kann für das seitliche Verziehen der Stange die ungleichmäßige Bespannung des Bogens die Ursache sein.


Ich wünsche Dir und allen Mitlesern noch einen schönen Tag!
 

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    Mensur: 69,4 cm
    untere/mittlere/obere Breiten: 42,4 cm / 23,4 cm / 33,3 cm
    Zargenbreite inkl. Decke/Boden: 12,7 cm
    Bauort: Frankreich
    Baujahr: lt. Geigenbauer geschätzt um 1850, vielleicht natürlich auch später.

     

    Informationen über den Verbleib können über die Geigenbauwerkstatt Adam diebstahl@geigenbau.de an den Besitzer weitergeleitet werden.

     

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