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Profigeigerin werden?

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Paula Profilseite von Buttergras, 24.04.2017, 23:15:23
Profigeigerin werden?
Hi! Glaubt ihr, ich habe eine Chance, jemals an das Niveau von Hillary Hahn, David Garrett oder sonstigen Profigeigern bzw. Virtuosen zu kommen? Ich bin 15 Jahre alt und spiele jetzt mittlerweile 3½ (fast 4, mit Unterbrechungen) Jahre Geige. Vom Niveau her kann man mich ungefähr mit jemandem gleichsetzen, der schon mehr als 5 Jahre spielt, da ich viel übe und auch eine hohe Motivation habe. Bei mir habe ich bloß noch Probleme mit der Intonation, von der Technik her eigentlich ganz super. Gerne würde ich halt später mal so gut werden, haltet ihr das für möglich? Viele Virtuosen fangen ja schon in sehr sehr jungen Jahren an, von dem her bezweifle ich, dass ich da jemals rankommen werde. Vielen Dank schon mal im Voraus! <3 (bitte sagt nicht, dass das schon irgendwie klappt, wenn ich ganz fest an mich glaube oder dass ich alles schaffe, wenn ich es möchte xD)
code759 Profilseite von code759, 25.04.2017, 08:15:06
An das Niveau von Hahn wirst Du wohl nicht herankommen können, es seidenn Du spielst Werke wie Mendelssohn, Tchaikowsky und Sibelius, jeweils die Violinkonzerte schon jetzt auf solistischem Niveau.
Anders könnte es schon mit normalem Profiniveau sein. Was spielst Du momentan?
Übst du drei oktaven Tonleitern?
code759 Profilseite von code759, 25.04.2017, 08:54:05
Entschuldige, ich wurde unterbrochen und wollte das noch nicht abschicken.
Wenn du planst Geige zu studieren musst du das jetzt sehr systematisch angehen. Also erst mal wäre das momentane Niveau interessant, also welche Stücke bearbeitest du.
Eine gute Übestrucktur aus Tonleitern, Etüden, Repertoir wird unumgänglich sein. Du hast noch etwa 3 Jahre bbis zu einer möglichen Aufnahmeprüfung und das ist in der Regel kein Pappenstil.
An dem Niveau der Welstars sollte man sich besser nicht messen, die hatten in deinem Alter alle schon mit einem der big five gespielt.
Buttergras Profilseite von Buttergras, 25.04.2017, 17:16:37
Danke für die Antwort! Das hatte ich mir schon gedacht, dass das mit dem Niveau von Hahn nichts wird, die war ja schon in meinem Alter seeehr bekannt und sehr gut.

Also, ich übe so gut wie jeden Tag, dazu gehören Tonleitern über drei Oktaven. Momentan spiele ich (im Orchester) die Ungarischen Tänze Nr. 1 und Nr. 5 (und noch ein paar unbekanntere Stücke, aber auch vom Schwierigkeitsgrad her ähnlich) in der ersten Geige. Die Stücke beherrsche ich sehr gut (bis gut), würde ich jetzt mal ganz frech behaupten. ;) Das sind übrigens die normalen Noten, die auch in den großen Orchestern verwendet werden. Demnächst werden wir uns dem Kanon in D von Pachelbel widmen, welchen ich auch schon teilweise (langsamer) kann. Außerdem spiele ich noch mit Klavierbegleitung Liebesleid von Fritz Kreisler. Ich hoffe, dass die Informationen ausreichend sind.^^
sofie Profilseite von sofie, 25.04.2017, 20:00:57
Ganz ehrlich, Weltklasseniveau erreichen nur die wenigsten, auch wenn sie deutlich früher als du angefangen haben. Sogar wenn jemand mit 15 schon die ganz großen Konzerte alle spielen kann, regelmäßig Wettbewerbe gewinnt usw gibt es keine Garantie.
Es ist allerdings so, dass die meisten, die später mal Berufsmusiker werden mit 15 deutlich anspruchsvollere Werke spielen als du. Das behaupte ich mal ganz frech. Wenn ich zurückdenke, dann hätte ich mit 15 die Tzigane, Mendelssohn, Bruch, Lalo usw aufgezählt. Die Orchesterwerke habe ich nebenbei gespielt und lediglich mal einzelne Stellen daraus geübt. Mit 15 konnte ich auch fast alle Paganini Capricen spielen und Intonation war überhaupt kein Thema. Darauf achtet man normalerweise nämlich von Anfang an. Trotzdem spiele ich nicht annähernd so gut wie Hillary Hahn und werde es wohl auch nie.
Wenn dein Herz daran hängt Musiker zu werden, dann suche dir den bestmöglichen Unterricht und übe so viel und so gut wie möglich. Nach einem Jahr kannst du dann deinen Lehrer fragen wie er deine Chancen einschätzt. Wie schnell und gut jemand lernt kann man nämlich ganz schlecht aus der Entfernung beurteilen. Wie schon von einem Vorschreiber erwähnt sagen Werke auch nicht wirklich was aus. Vielleicht ist dein Kreisler ja sogar genial. Aber nur ein geniales Werk wird im Ernstfall auch nicht reichen.
Du kannst auch mal versuchen bei einem Geigenprofessor an der Hochschule vorzuspielen und ihn um seine ehrliche Meinung bitten. Alles andere hat für mich den Beigeschmack einer Kristallkugel in der man die Zukunft lesen möchte.
Buttergras Profilseite von Buttergras, 25.04.2017, 23:51:39
Ich hatte leider die letzten Jahre schlechte Lehrer, was mir auch erst ein bisschen spät aufgefallen ist, erst vor einem Jahr bin ich zu meiner jetzigen Geigenlehrerin gekommen (Intonation und alles hatte halt darunter extrem gelitten). Dadurch hänge ich (auch wegen meinen Unterbrechungen) ein wenig hinterher... Was natürlich ein bisschen doof ist. Aber das mir dem Vorspielen ist echt eine gute Idee, werde ich dann in ferner Zukunft mal machen! Ich frag einfach mal demnächst meine Lehrerin, was sie von der ganzen Sache hält :D

Vielen lieben Dank!
Flitzebogen Profilseite von Flitzebogen, 25.04.2017, 17:49:17

Hallo,

 

möglich ist vieles, aber neben der richtigen Motivation, die du ja momentan hast, brauchst du sehr guten, systematischen Unterricht bei einem Lehrer, der dein Ziel kennt. Es gibt manchmal Lehrer, die haben eine solche große Zahl an Schülern, die nur halbwegs motiviert sind und auch nach Jahren nicht über ein Anfangsniveau hinauskommen, dass sie im schlimmsten Fall die paar Schüler übersehen, die es wirklich ernst meinen.

Aber jeder Lehrer hat ja selber studiert und müsste zumindest wissen, wie die Entwicklung davor vonstatten gegangen ist. Der müsste dir entweder selber helfen oder dich weiter vermitteln.

Es kommt natürlich viel mehr aufs WIE als aufs WAS an. Ich habe schon so viele Leute  schwere Stücke so fürchterlich spielen hören, das sagt also nicht automatisch was aus. Aber was du jetzt so spielst, ist noch nicht auf dem Stand, den ehrgeizige Spieler mit 15 haben, wenn sie schon sehr früh begonnen haben. Das muss nichts heißen, nur dass noch viel vor dir liegt.

 

Also: Wenn du es ernst meinst, sprich mit deinem Lehrer. Du hast keine Zeit zu verlieren. Ich würde an deiner Stelle möglichst nur in einem Ochester spielen, für das du nicht extra üben musst, denn du brauchst jetzt vorrangig viel Übezeit für das eigene Weiterkommen. Das Orchester bereichert nur auf sehr allgemeine Art und Weise, die Technik wird normalerweise eher zurückgeworfen, also aufmerksam bleiben!

 

 

LG, Flitzebogen

Norbert_V Profilseite von Norbert_V, 25.04.2017, 22:36:16

Hallo Paula,

so wie sich das anhört, möchtest du mit der Musik Geld verdienen. Dazu wahrscheinlich auch nicht gerade so, dass es fürs Überleben reicht, sondern es sollte etwas mehr sein (sonst würdest du ja nicht das Niveau von Hahn, Garrett usw anstreben).

Es gibt wahrscheinlich tausende, die das auch möchten und das anstreben. Aber auf der Bühne der ganz Großen ist nur für wenige Platz. Um mit der Geige richtig Geld zu verdienen, gehört dazu nicht nur ganz viel Talent, sondern die Persönlichkeit die Menschen in ihren Bann zieht. Ich bin mir sicher, es gab und gibt einige Geiger, die besser als David Garrett spielen und doch in einem kleinen Orchester nicht mal die 1. Geige spielen. Einfach, weil ihnen die nötigen Ausstrahlung, das Durchsetzungsvermögen und auch die richtigen Beziehungen fehlen.

Das soll dich jetzt nicht entmutigen, sondern nur zum Nachdenken anregen.

 

Ich wünsche dir ganz viel Weisheit bei deiner weitreichenden Entscheidung und viel Erfolg!

Liebe Grüße

Norbert

Buttergras Profilseite von Buttergras, 25.04.2017, 23:44:57
Hallo Norbert!

Mit dem Geigen genug Geld verdienen wäre natürlich super, wobei das für mich tatsächlich zweitrangig ist. Mir geht es darum, einfach besser zu werden um eben ein hohes Niveau zu erreichen, da mir das ganze einfach Spaß macht. Ob ich die richtige Ausstrahlung oder sonstiges habe, wird sich wahrscheinlich noch zeigen, hoffentlich!

Vielen lieben Dank, Grüße gehen zurück!
vioharp Profilseite von vioharp, 30.04.2017, 22:59:25

Liebe Paula,

das Repertoire, dass Du hier beschreibst, hat mit 15 mit dem professionellen Geigenspiel nichts zu tun. Wenn Deine "gute Lehrerin" dir das nicht erklährt hat,  schade... jemand muß das aber tun. Nicht jeder Professor wird Dir das nett erklähren wollen, diesen Schock  habe das mehrmals beobachtet. Das ist ein sehr, sehr spezieller Beruf, wo man schon mit 10-12 Profi sein soll... bedauere es nicht. Übe so gut und so viel, wie Du kannst, und freue Dich, dass du die harte Konkurrenzwelt, mit der wir jeden Tag konfrontieren müssen, von draußen beobachten kannst. Die Laienorchester brauchen immer Geiger, und da wirst Du gefragt, beliebt und glücklich.  

code759 Profilseite von code759, 01.05.2017, 11:07:33
Das ist leider wahr. Pachelbel habe ich mit 9 a tempo ordentlich gespielt und ich bin kein Profi geworden (und bin froh darum mich nicht andauernd behaupten zu müssen).

Alle 24 Paganini Capricen mit 15 gut zu spielen ist zwar echt ne Hausnummer, aber man sollte dann auf jeden Fall schon bei gehobener Literatur (besagter Lalo etc) stehen und mindestens ein paar Capricen können. Zumal gerade für Vollzeitmusiker schwere Zeiten bei der Jobsuche sind, da muss man auch unter den Profis noch vorne sein. Die Orchesterstellen in Deutschland nehmen kontinuierlich ab seit der Wiedervereinigung. Hier in MV spielen alle untertariflich und werden langsam zu einem kleinen Orchester eingeschmolzen. Das ist allerdings auch wirklich ein extremes Bundesland diesbezüglich.
Wenn du das jetzt gut angehst kannst du aber durchaus das Niveau erreichen für ordentliche Laienmusik. Ein kleines Quartett, ein Kammerorchester, ein kleines Sinfonieorchester, Geigen werden immer wieder gesucht.
Flitzebogen Profilseite von Flitzebogen, 04.05.2017, 17:35:44

Ich schließe mich zwar an,dass eine Profikarriere nicht sehr wahrscheinlich aussieht,aber es gibt immer Ausnahmen, und die sollen nicht demotiviert werden. In meiner  Verwandtschaft ist eine mittlerweile in Rente befindliche Geigerin, die zeitweise Konzertmeisterin im Profiorchester war und Geige überhaupt erst mit 14 oder 15 angefangen hat. Das ist definitiv nicht normal! Aber eben doch passiert. Und wenn man erstmal seriös übt und tieferen Einblick in die Branche bekommt, dann strebt man nicht mehr nach dem Stand der Stars, sondern realistisch und konkret nach der besten Leistung, die man selber bringen kann. Und wer weiß, wofür die nach einigen Jahren reicht? Es gibt einige berufliche Wege, die die Geige beinhalten, und sei es z.B. Schulmusik. Ich finde jedenfalls nicht,dass man hier Leute demotivieren soll,wenn sie ihr Bestes geben wollen. Das Schlimmste,was passieren kann, ist dass die Fragestellerin weit kommt und es dann dennoch nicht für eine Aufnahmeprüfung reicht. Damit hat sie sich aber kein "normales" Studium verbaut und hat nebenbei ein hohes Laienniveau erreicht, so dass sie dann in guten Amateurensembles mitmachen kann. Das ist das Gute an Aufnahmeprüfungen- es wird gesiebt,bevor man das Falsche studiert. 

Tommok Profilseite von Tommok, 06.07.2017, 15:51:06

Liebe Paula,

 

insbesondere lass Dir nicht von irgend jemandem einreden, dass Du dieses oder jenes ganz sicher locker erreichen oder auch niemals schaffen wirst.

 

Sicher waren Hillary Hahn und ähnliche schon in sehr jungen Jahren sehr gut, aber nicht jede (Profi- oder Amateur-) Karriere verläuft nach dem gleichen Schema. Auch unter den mir bekannten Kollegen gibt es einige Spätstarter, die eben noch nicht mit 15 schon alles konnten, aber jetzt trotzdem ihr Geld mit dem Geigen verdienen.

 

Ich finde es generell nicht immer hilfreich, sich ein derart hohes Ziel zu setzen und sich dann fortwährend zu fragen (oder sich schlaue Einschätzungen dazu anzuhören), ob man das wohl je erreichen wird. Es hilft einem nicht. Man sollte von dem Stand, an dem man aktuell ist, einfach versuchen, so effektiv wie möglich seine Technik, seine Gestaltungsmöglichkeiten, seinen Ton, sein Zusammenspiel, seine klangliche Vielfalt zu verbessern und dann schauen, wo man landet. Spätestens nach der Aufnahmeprüfung (bzw. im Normalfall nach mehreren Aufnahmeprüfungen) weißt Du dann, ob Du Profi werden kann oder nicht.

 

Entwickele Dich einfach in Deinem Tempo weiter und vergleiche Dich nicht zu viel mit anderen. Um einen guten Eindruck zu kriegen, wo man ungefähr steht, empfehlen sich Auswahlensembles wie LJO und BJO, die einen sowieso ungemein weiterbringen.

 

Gruß Tommok

code759 Profilseite von code759, 06.07.2017, 17:24:43
Zumindest in meiner Jugend waren LJO und BJO aber auch schon mit ordentlichen Aufnahmeprüfungen versehen.
Tommok Profilseite von Tommok, 06.07.2017, 17:26:39

Die aber zu schaffen sind, wenn man es ernst meint, jedenfalls in den LJOn.

code759 Profilseite von code759, 06.07.2017, 18:54:42
Ja, aber wenn man Pachelbel schwierig findet / nicht a tempo spielen kann ist es noch ein Stück Arbeit, natürlich nie unmöglich.
Buttergras Profilseite von Buttergras, 06.07.2017, 20:01:15
Pachelbel kann ich mittlerweile, war doch nicht so schwer^^. Generell hab ich in den letzten Monaten schon enorme Fortschritte gemacht und spiele jetzt auch schwerere Stücke.
Neuester Beitrag code759 Profilseite von code759, 07.07.2017, 09:02:27
Dann viel Erfolg!
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